Schlagwort: Nervensystem

  • Energie im Fluss: Warum Qigong weit mehr ist als nur Bewegung

    Energie im Fluss: Warum Qigong weit mehr ist als nur Bewegung

    Kennst du diese Tage, an denen du schon kurz nach dem Aufwachen weißt: Das wird verdammt anstrengend. Der Nacken schmerzt, du fühlst dich schwummrig und erschöpft. In unserer westlichen Welt versuchen wir oft, diese Symptome isoliert zu bekämpfen: Eine Kopfschmerztablette hier, ein paar Tropfen für die Nerven da. Nur um am Ende festzustellen, dass sie sich auf diesem Weg einfach nicht beseitigen lassen – sie kommen immer wieder.

    Einen ganz anderen Ansatz verfolgt die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Sie fragt nicht bloß nach dem Schmerz, sondern sucht nach der Blockade im Energiefluss des Körpers. Die Suche nach den Ursachen verbindet dabei ganzheitlich die körperliche, mentale und die energetische Ebene.

    Eine der kraftvollsten Tools dieser jahrtausendealten Medizin ist Qigong. Denkst du dabei auch sofort an ältere Menschen, die sich in Zeitlupe durch den Stadtpark bewegen? Damit bist du nicht allein:) Doch Qigong ist so viel mehr als ein bisschen Dehnen und sanfte Gymnastik. Als eine der fünf Säulen der TCM betrachtet Qigong deinen Körper, deinen Geist und deine Seele als unzertrennliche Einheit – und genau so wird es gelehrt und praktiziert.

    Neben Qigong gibt es in der TCM noch vier weitere Säulen: die Akupunktur, die Phytotherapie, die Manualtherapie (Tuina) und die Ernährungslehre.


    Was ist Qigong?

    Um Qigong zu verstehen, werfen wir zuerst einen Blick auf die Übersetzung:

    • Qi steht für die Lebensenergie, die Lebenskraft, die durch alles Lebendige fließt.
    • Gong bedeutet regelmäßiges Üben, Kultivieren oder Arbeit.

    Qigong ist also das bewusste Üben und Kultivieren unserer Lebensenergie. Durch die Kombination aus sanften, fließenden Bewegungen, tiefer Bauchatmung und Visualisierung wird das Qi in den Meridianen (den Energiebahnen des Körpers) aktiviert und Blockaden aufgelöst.

    Der ganzheitliche Ansatz

    In der TCM dreht sich alles um das Gleichgewicht zwischen Yin und Yang. Um dieses Gleichgewicht herzustellen werden im Qigong drei Ebenen miteinander verbunden:

    1. Die körperliche Ebene

    Die Bewegungen im Qigong werden meist langsam und fließend ausgeführt, was den Körper sanft fordert, ohne ihn anzustrengen. Die Gelenke werden sanft mobilisiert, die Faszien gedehnt und die tiefe Muskulatur gestärkt. Gleichzeitig stärkt die tiefe Atmung die Lunge, aktiviert die inneren Organe sowie das Immunsystem.

    2. Die energetische Ebene

    Nach der TCM haben Beschwerden, Schmerzen und Krankheiten oft dieselbe Ursache: Blockaden in unserem Energiefluss. Wenn die Lebensenergie ins Stocken gerät, meldet sich der Körper. Qigong löst diese energetischen Stagnationen auf und sorgt dafür, dass dein Qi wieder frei und ungehindert fließen kann. Deine Organe arbeiten wieder Hand in Hand und finden zurück in ihre ursprüngliche Kraft.

    3. Die geistige Ebene

    „Where intention goes, Qi flows“ – wo die Aufmerksamkeit hingeht, dorthin fließt auch die Energie. Dieses alte Qigong-Sprichwort bringt es auf den Punkt. Wenn wir uns voll und ganz auf unseren Atem, den Fluss der Lebensenergie und die sanften Bewegungen einlassen, kommt das Gedankenkarussell im Kopf wie von selbst zur Ruhe. Qigong ist Meditation in Bewegung. Während du übst, baut dein Körper Stresshormone ab und dein vegetatives Nervensystem schaltet ganz automatisch in den tiefen Entspannungsmodus.

    Der TCM-Ansatz zusammengefasst: Qigong behandelt nicht die Krankheit, sondern aktiviert die Selbstheilungskräfte, löst Stagnation auf und stärkt somit die körperliche und mentale Gesundheit.


    Vom Denken ins Spüren: Ein kleiner Impuls für deinen Alltag

    Das Schöne am Qigong ist: Du brauchst keine Vorkenntnisse, kein besonderes Trainings-Outfit oder eine teure Ausrüstung. Es geht nicht um Perfektion oder Leistung, sondern um das bewusste Spüren.

    Eine kleine Übung für sofort:

    Stell dich hüftbreit und locker hin, die Knie sind entspannt und leicht gebeugt. Der Rücken ist gerade, Schultern sind locker.

    Lass deine Arme zuerst locker hängen. Handflächen zeigen zum Körper. Erde dich über die Fußsohlen. Atme bewusst drei Mal ein und aus.

    Nimm die Hände nun vor den Unterbauch; die Handflächen zeigen nach oben, die Fingerspitzen zeigen zueinander. Die Finger berühren sich nicht, sind ebenfalls entspannt.

    Atme sanft durch die Nase ein und hebe die Hände dabei vor dem Körper nach oben bis auf Brusthöhe. Dann drehst du die Handflächen nach unten.

    Atme lange aus. Die Hände sinken wieder bis zum Unterbauch.

    Handflächen wieder nach oben drehen, einatmen, Hände anheben bis zur Brust, Handflächen nach unten drehen, sinken lassen, ausatmen.

    Beim Ausatmen beugst du deine Knie ein wenig mehr, beim Einatmen richtest du dich wieder auf.

    Wiederhole das 5- bis 10-mal ganz im Rhythmus deines Atems. Stell dir dabei vor, wie du mit dem Einatmen frische Energie aufnimmst und mit dem Ausatmen Ballast, Anspannung, Sorgen in die Erde abgibst.

    Weitere Übungen findest du hier .

    Ganz viel Freude beim Üben und Entspannen!

    Yve




    Foto: Lerkrat Tangsri
    Quellen:

    Gunawan, Y. A. et al. (2025). Effect of Tai Chi and Qigong on Heart Rate Variability: A Systematic Review and Meta-Analysis. publiziert via PubMed / Frontiers in Physiology.

    Sun, J. et al. (2025). Differences in acute physiological response to a Qigong exercise among middle-aged adults.erschienen in: Frontiers in Physiology.

    Yeung, A. et al. Qigong and Tai-Chi for Mood Regulation. erschienen in: Focus – The Journal of Lifelong Learning in Psychiatry (American Psychiatric Association)

  • Die Heilkraft des Tanzens – und warum es glücklich macht

    Die Heilkraft des Tanzens – und warum es glücklich macht

    Wenn das Herz rast, die Gedanken kreisen und das Nervensystem im Alarmmodus ist, wählen wir oft den Weg in die Stille. Ich habe mich in der Vergangenheit in solchen Momenten oft an mein Meditationskissen oder an Atemübungen geklammert. Aber vielleicht kennst du das auch: Manchmal bewirkt diese Ruhe genau das Gegenteil. Wenn zu viel Stress und Anspannung im System steckt, fühlt sich das ruhige Sitzen erzwungen und falsch an – und wir enden noch überreizter, als wir ohnehin schon waren

    In den letzten Jahren habe ich durch meine Arbeit mit dem Körper gelernt, dass wir Stress nicht immer nur „wegatmen“ oder „wegmeditieren“ können. Manchmal müssen wir den Körper einfach bewegen.

    Eine Bewegungsform, die mich auf meinem eigenen Weg der Regulation immer wieder rettet, ist so simpel wie heilsam:  Das freie, intuitive Tanzen.

    Was passiert in uns, wenn wir erstarren?

    Ein chronisch dysreguliertes Nervensystem bedeutet, dass unser Körper permanent unter Strom steht und die Stresshormone Cortisol sowie Adrenalin ausschüttet. Das ist das uralte biologische Programm für Kampf oder Flucht (Fight-or-Flight). Heute kämpfen wir zwar nicht mehr gegen Säbelzahntiger, doch die Trigger unseres Alltags lösen exakt dieselbe körperliche Reaktion aus. Da wir die Flucht- oder Kampfenergie im Büro, in der U-Bahn oder am Küchentisch aber nicht physisch ausleben können, bleibt die Anspannung tief in unseren Muskeln und Faszien gefangen. Unser System findet keine Möglichkeit, sich zu entladen und reagiert mit Erstarrung.

    Damit wir diesen Teufelskreis durchbrechen können, braucht das Nervensystem eine klare Botschaft: Die Gefahr ist vorüber, du darfst dich entspannen

    Das sagt die Wissenschaft: Wie Bewegung die mentale und körperliche Gesundheit beeinflusst

    Dass Tanzen uns guttut, spüren wir intuitiv und schon nach wenigen Minuten. Umso faszinierender ist es zu sehen, dass die moderne Neurowissenschaft und Psychologie genau das bestätigen:

    Der Cortisol-Down-Effekt: Eine im Fachmagazin Frontiers in Human Neuroscience veröffentlichte Studie untersuchte die Auswirkungen von Tanztherapie auf das Stresslevel. Das Ergebnis ist beeindruckend: Regelmäßiges Tanzen senkt den Cortisolspiegel im Speichel nachweislich und messbar. Es bremst das Stresshormon aus.

    Neuroplastizität und Gehirngesundheit: Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen haben herausgefunden, dass Tanzen die Gehirnstruktur positiv verändert. Durch die Bewegung zur Musik werden neue neuronale Verknüpfungen gefördert. Dies zeigt sich vor allem im Hippocampus – dem Gehirnareal, das für Gedächtnis und Lernen verantwortlich ist und durch seine enge Vernetzung mit der Amygdala auch die Regulierung unserer Emotionen steuert.

    Warum Tanzen effektiver ist als reines Fitnesstraining:
    Studien im Journal of Physiological Anthropology zeigen, dass Bewegung, die mit Musik und Rhythmus verbunden ist, das mentale und körperliche Wohlbefinden spürbarer und nachhaltiger verbessert als ein reines, funktionales Ausdauertraining. Musik berührt uns emotional, weil sie einen direkten Draht zu unserem limbischen System im Gehirn hat. Das limbische System ist das Zentrum aller Emotionen.

    Vom Denken ins Spüren

    Das intuitive, freie Tanzen ist für mich zu einem festen Bestandteil meiner täglichen Selfcare-Routine geworden. Dabei geht es mir überhaupt nicht um Perfektion, Choreographien oder darum, „schön“ zu tanzen. Perfektion spielt wirklich überhaupt keine Rolle.

    Es geht um das, was man in der somatischen Arbeit „intuitives Bewegen“ nennt. Ich schließe dabei die Augen, um ganz im Hier und Jetzt, in meinem Körper anzukommen.. Ich erlaube meinem Körper sich für ein oder zwei Lieder einfach so zu bewegen, wie er möchte.

    Manchmal ist es ein wildes Abschütteln, um Anspannung und Stress loszuwerden. Meist sind es aber sanfte, rhythmische und fließende Bewegungen, die mein System wieder ins Gleichgewicht bringen und die meinen Körper wieder mit meinen Emotionen verbinden.

    Ein kleiner Impuls für dich

    Wenn du das nächste Mal bemerkst, dass dir alles zu viel wird, dass du im „Funktionieren-Modus“ feststeckst und dein Atem flach wird, die Muskulatur verkrampft oder Ängste hochkommen, möchte ich dich einladen, folgendes auszuprobieren:

    Schenke dir selbst eine Pause von nur fünf Minuten. Such dir ein oder zwei Lieder aus, die dich berühren und die dir ein gutes Gefühl geben. Schließe deine Augen, wenn du möchtest.. Lass deinen Körper entscheiden, wie er sich jetzt bewegen möchte.

    Erlaube dir unperfekt und frei zu sein. Gib für ein paar Minuten die Kontrolle ab und lass komplett los. Dein Nervensystem wird es dir danken.

    Tanzt du manchmal einfach so für dich alleine? Und welches Lied bringt dich sofort wieder zurück in deinen Körper? Schreib es mir gerne in die Kommentare.


    Foto: Vitaly Gariev

  • Wie Worte heilen: Was passiert im Körper, wenn wir mit ihm sprechen?

    Wie Worte heilen: Was passiert im Körper, wenn wir mit ihm sprechen?

    Wie sprichst du eigentlich mit deinem Körper, wenn er krank ist, müde ist, schmerzt oder nicht so „funktioniert“, wie du es gerne hättest? Bist du wütend auf ihn? Ignorierst du ihn? Oder sprichst du ganz bewusst, achtsam und freundlich mit ihm, so wie mit einer guten Freundin?

    Lange Zeit wurde es belächelt, mit einzelnen Organen oder dem Körper zu sprechen und in die rein esoterische Ecke geschoben. Doch die Psychoneuroimmunologie – die moderne Forschung darüber, wie Geist und Immunsystem zusammenhängen – hat bewiesen: Unser Körper hört jedes einzelne Wort, das wir über ihn denken und aussprechen. Er reagiert biochemisch darauf.

    Wie Gedanken uns beeinflussen

    Wenn wir also mit unserem Körper sprechen – ob laut oder in Gedanken, reagieren die Neuronen, die Nervenzellen, in unserem Gehirn. Die Neuronen sind verantwortlich für die Wahrnehmung und die Weiterleitung von Reizen und Erregung. Dabei unterscheidet unser Gehirn nicht, oder nur wenig zwischen einer echten Bedrohung von außen und einer Bedrohung durch einen inneren Dialog.

    Wer immerzu denkt: „Mein Körper ist krank, ich muss endlich wieder funktionieren“, signalisiert dem Gehirn Stress, Angst und Furcht. Unser Alarmzentrum, die Amygdala, wird aktiviert und unsere Nebennieren schütten Cortisol und Adrenalin aus. Der Körper schaltet in den Überlebensmodus.

    Sprechen wir dagegen beruhigend und wohlwollend mit unserem Körper, wird das parasympathische Nervensystem aktiviert – genauer gesagt der Vagusnerv. Das Nervensystem sendet unmittelbar Signale an das Herz, die Lunge und den Darm, die den Entspannungsmodus einleiten. Der Puls beruhigt sich, der Blutdruck sinkt, die Muskulatur entspannt sich.

    Was sagt die Wissenschaft?

    Die Wirkung von positiven Selbstgesprächen in Verbindung mit Achtsamkeit auf die körperliche Gesundheit sind durch etliche Studien belegt:

    1. Stressreduktion und Cortisolsenkung: Ein echter Meilenstein der Forschung ist die Studie von Creswell et al. (2005) im Journal Psychoneuroendocrinology. Sie zeigte, dass die bewusste Selbstbestärkung mit Affirmationen die neuroendokrine Stressreaktion des Körpers deutlich reduziert. Der Cortisolspiegel sinkt, wenn wir uns selbst und unserem Körper mit Mitgefühl und Achtsamkeit begegnen.
    2. Schmerzlinderung durch Mitgefühl: Studien zur Compassion-Focused Therapy nach Paul Gilbert haben gezeigt, dass ein liebevolles, wertschätzendes Selbstgespräch das sogenannte Kuschelhormon Oxytocin sowie Endorphine, die Glückshormone, freisetzen. Diese Hormone wirken wie ein natürliches Schmerzmittel und beruhigen das Nervensystem.
    3. Stärkung des Immunsystems: Die Psychoneuroimmunologie wie etwa die Studie von Kiecolt-Glaser et al. belegte, dass immer wiederkehrende Selbstzweifel und innerer Druck Entzündungsmarker im Blut ansteigen lassen. Ein mitfühlender Dialog mit dem Körper senkt die Entzündungsmarker und unterstützt das Immunsystem.

    Ein Impuls für deinen Alltag

    Dein Körper ist keine Maschine, die fehlerfrei funktionieren muss. Er ist ein lebendiger Organismus, der täglich unglaubliches leistet und der dich durch dieses Leben trägt.

    Wenn er dir das nächste Mal Symptome wie z.B. Schmerzen sendet, versuche es mit folgendem Satz:

    „Ich höre dich. Danke, dass du mir zeigst, was du jetzt brauchst. Ich nehme mir Zeit für dich und schenke dir eine Pause.“



    Alles Liebe für dich und deinen Körper!

    Yve





    • Creswell, J. D., et al. (2005): Affirmation of personal values buffers neuroendocrine and psychological stress responses. Psychoneuroendocrinology, 30(6), 556-563.
    • Gilbert, P. (2009): Introducing compassion-focused therapy. Advances in Psychiatric Treatment, 15(3), 199-208. (Über die Wirkung von Mitgefühl auf das parasympathische Nervensystem).
    • Kiecolt-Glaser, J. K., et al. (2002): Emotions, morbidity, and mortality: New perspectives from psychoneuroimmunology. Annual Review of Psychology, 53(1), 83-107.

  • Raus aus dem Stress-Modus

    Raus aus dem Stress-Modus

    Wie du mit Qigong dein Nervensystem sanft beruhigst.

    In meiner Praxis als Qigong-Lehrerin gehört diese Übung zu meinen absoluten Favoriten beim Aufwärmen.
    Dein ganzer Körper wird weich und locker.

    Schritt 1: Beginne damit, dich leicht zu schütteln – ganz ohne Anstrengung. Lass die Schultern entspannt nach unten sinken, die Arme schwingen frei mit. Dein Becken bleibt locker, die Knie sind sanft gebeugt, damit sich die Bewegung leicht durch den ganzen Körper, bis zu den Füßen übertragen kann.

    Schritt 2: Wenn du einen guten Rhythmus gefunden hast, lass deine Arme seitlich um deinen Körper schwingen. Drehe dich dabei weich von einer Seite zur anderen, sodass eine leichte Rotation in deiner Wirbelsäule entsteht.
    Die Hände klopfen dabei sanft deinen Körper.

    Atme während der Übung ganz natürlich ein und möglichst lange aus. Wenn du dabei durch den Mund ausatmest, spürst du oft noch ein bisschen schneller, wie dein Körper lockerlässt.

    Die Bewegung darf ganz natürlich fließen – schüttle alles ab, was sich schwer anfühlt, und lass mehr Leichtigkeit in deinen Körper kommen.

    Das Ausschütteln ist eine der einfachsten und zugleich wirkungsvollsten Methoden, um das Nervensystem zu beruhigen und den Energiefluss, das sogenannte Qi, zu aktivieren.

    Gleichzeitig hilft das Schwingen der Arme, Emotionen und innere Unruhe abzubauen.

    Schon wenige Minuten reichen aus, um sich freier, leichter und innerlich ruhiger zu fühlen. Es ist eine kleine, aber kraftvolle Übung, die deinem Nervensystem signalisiert:

    „Du darfst loslassen. Dein Körper ist sicher.“

    Viel Freude beim Schütteln, Schwingen und Loslassen!

    Yve



    Foto: Alexey Demidov

  • Eine Atemübung für zwischendurch

    Eine Atemübung für zwischendurch

    Folgende Übung kann ich dir, aus langjähriger Erfahrung, ganz besonders ans Herz legen.

    Plane für die Atemübung gerne etwas mehr Zeit ein und gönne dir damit eine kleine Auszeit vom Alltag.

    Finde deinen Sitz, auf einem Meditationskissen, dem Boden oder einem Stuhl. Sitze dabei aufrecht und entspanne deine Schultern. Wenn du möchtest, kannst du deine Augen schließen. Natürlich kannst du die Atemübung auch im Liegen praktizieren. Lege deine Hände auf deinen Bauch oder, im Sitzen auf deine Knie und beobachte, wie sich der Bauch beim Einatmen hebt und beim Ausatmen senkt.

    Atme nun ein – deine Zunge bewegt sich hoch zum Gaumen, hinter die Schneidezähne.
    Denke: „Ich bin ganz ruhig und …“

    Atme aus – die Zunge sinkt entspannt in den Unterkiefer. Denke: „…entspannt.“

    Wiederhole sie mindestens 3 Minuten, besser 5 bis 10 Minuten.

    Positiver Effekt: beruhigt das überreizte Nervensystem und fördert den gesunden Schlaf.

    Viel Freude beim Üben und Entspannen! Mehr Übungen findest du hier.

    Yve



    Foto: Andrea Piacquadio

  • Einfach nur sein dürfen, so wie ich bin.

    Einfach nur sein dürfen, so wie ich bin.

    Lass die Worte einen kleinen Moment auf dich wirken. Schließe die Augen und wiederhole noch einmal: Einfach nur sein dürfen, so wie ich bin. Wie fühlt sich das für dich an?

    Schmerzvolle Erfahrungen, Fehler, Makel, körperliche Veränderungen, ungelöste innere Konflikte, Scheitern – wir alle kennen das. Wir alle sind durch schmerzvolle Tage, Wochen, Monate und manchmal auch Jahre gegangen. Es ist Teil unseres Lebens und gehört zum Menschsein dazu. Wenn wir lernen, das zu akzeptieren, können wir nach und nach die Schönheit im Unvollkommenen erkennen. Ja, es ist nicht immer einfach, denn wir können nicht alles Negative aus unserem Leben verbannen – doch Akzeptanz kann diesen Prozess erheblich erleichtern. Und selbst wenn wir lernen zu akzeptieren, kann es sich dennoch schmerzhaft anfühlen.

    Habe den Mut, deine wahre Persönlichkeit zu zeigen und deinen eigenen Weg zu gehen. Höre auf dein Herz und vertraue deiner Intuition, auch wenn es bedeutet, gegen den Strom zu schwimmen. Veränderungen brauchen Zeit und Geduld.

    Alles, was du tust und deinem wahren Wesen entspricht, macht dich – ganz ohne Druck und ohne Selbstoptimierungszwang – mit Leichtigkeit zur besten Version deiner selbst. Du bist gut so, wie du bist! Es braucht kein „Upgrade“, es sei denn, du möchtest es einzig und allein für dich tun – aus Freude, aus eigenem Antrieb, aus dem innersten Wunsch heraus zu entdecken, was alles in dir steckt. Es ist eine spannende und heilsame Reise zu dir selbst.

    Sicherlich kennst du den Gedanken: „Erst wenn ich das erreicht habe, werde ich glücklich sein.“ Vielleicht ist dir aber auch aufgefallen, dass das Glücksgefühl oft nur von kurzer Dauer ist und schnell wieder verfliegt. Frage dich deshalb: Was macht mein Leben wirklich erfüllt und reich?

    Alles Liebe,
    Yve



    Foto: Jure Širić

  • Wie dein Nervensystem im Stress reagiert

    Wie dein Nervensystem im Stress reagiert

    Unser Nervensystem kennt verschiedene Überlebensmodi.

    Der Sympathikus aktiviert den Zustand von „Kampf oder Flucht“. Wenn wir zu lange im Dauerstress bleiben, läuft dieses Notfallprogramm ununterbrochen. Das führt zu Symptomen wie Herzrasen, Unruhe, Angst, schneller Atmung, Muskelverspannungen, Verdauungsproblemen und einem Gefühl innerer Überforderung. Kein Wunder, dass wir uns irgendwann erschöpft und ausgelaugt fühlen.

    Der Parasympathikus hingegen ist für Ruhe, Regeneration und Wohlbefinden zuständig. Wird er aktiviert, beruhigen sich Herzschlag und Atmung, der Körper kann sich entspannen, Emotionen stabilisieren sich, und wir fühlen uns wieder klarer, kreativer und ausgeglichener.

    In extremen Situationen kann der Körper zudem in einen Zustand der Erstarrung fallen – eine Art Schutzmechanismus, wenn weder Kampf noch Flucht möglich erscheint. Dieser Zustand kann, besonders bei unverarbeiteten Erlebnissen aus der Kindheit, länger anhalten und sich in Erschöpfung, Energielosigkeit oder depressiver Stimmung zeigen.

    Ein weiterer, oft übersehener Überlebensmodus ist die Fawn-Response – die Unterwerfungs- oder „People Pleasing“-Reaktion. Betroffene versuchen, durch Gefallen und Anpassung Sicherheit zu gewinnen. Eigene Bedürfnisse werden übergangen, Grenzen sind schwer spürbar, und innere Erschöpfung entsteht schnell.

    Zu verstehen, wie dein Nervensystem funktioniert, ist der erste Schritt, um sanft herauszufinden, welche Form der Selbstfürsorge dir wirklich hilft, wieder mehr Ruhe, Balance und innere Stärke aufzubauen.

    Dein Körper will dich nicht überfordern, sondern schützen. Doch im Überlebensmodus verlierst du leicht den Kontakt zu dir selbst: du funktionierst mehr, als du fühlst. Der Weg zurück beginnt nicht mit Anstrengung, sondern mit Sicherheit, Sanftheit und kleinen Momenten, in denen du dich wieder spüren darfst.


    Hier gehts zu meinen Büchern, wenn du mehr über das Nervensystem erfahren möchtest.

    Liebe Grüße,
    Yve

    Foto: Mikhail Nilov