Schlagwort: Selbstliebe

  • Die Heilkraft des Tanzens – und warum es glücklich macht

    Die Heilkraft des Tanzens – und warum es glücklich macht

    Wenn das Herz rast, die Gedanken kreisen und das Nervensystem im Alarmmodus ist, wählen wir oft den Weg in die Stille. Ich habe mich in der Vergangenheit in solchen Momenten oft an mein Meditationskissen oder an Atemübungen geklammert. Aber vielleicht kennst du das auch: Manchmal bewirkt diese Ruhe genau das Gegenteil. Wenn zu viel Stress und Anspannung im System steckt, fühlt sich das ruhige Sitzen erzwungen und falsch an – und wir enden noch überreizter, als wir ohnehin schon waren

    In den letzten Jahren habe ich durch meine Arbeit mit dem Körper gelernt, dass wir Stress nicht immer nur „wegatmen“ oder „wegmeditieren“ können. Manchmal müssen wir den Körper einfach bewegen.

    Eine Bewegungsform, die mich auf meinem eigenen Weg der Regulation immer wieder rettet, ist so simpel wie heilsam:  Das freie, intuitive Tanzen.

    Was passiert in uns, wenn wir erstarren?

    Ein chronisch dysreguliertes Nervensystem bedeutet, dass unser Körper permanent unter Strom steht und die Stresshormone Cortisol sowie Adrenalin ausschüttet. Das ist das uralte biologische Programm für Kampf oder Flucht (Fight-or-Flight). Heute kämpfen wir zwar nicht mehr gegen Säbelzahntiger, doch die Trigger unseres Alltags lösen exakt dieselbe körperliche Reaktion aus. Da wir die Flucht- oder Kampfenergie im Büro, in der U-Bahn oder am Küchentisch aber nicht physisch ausleben können, bleibt die Anspannung tief in unseren Muskeln und Faszien gefangen. Unser System findet keine Möglichkeit, sich zu entladen und reagiert mit Erstarrung.

    Damit wir diesen Teufelskreis durchbrechen können, braucht das Nervensystem eine klare Botschaft: Die Gefahr ist vorüber, du darfst dich entspannen

    Das sagt die Wissenschaft: Wie Bewegung die mentale und körperliche Gesundheit beeinflusst

    Dass Tanzen uns guttut, spüren wir intuitiv und schon nach wenigen Minuten. Umso faszinierender ist es zu sehen, dass die moderne Neurowissenschaft und Psychologie genau das bestätigen:

    Der Cortisol-Down-Effekt: Eine im Fachmagazin Frontiers in Human Neuroscience veröffentlichte Studie untersuchte die Auswirkungen von Tanztherapie auf das Stresslevel. Das Ergebnis ist beeindruckend: Regelmäßiges Tanzen senkt den Cortisolspiegel im Speichel nachweislich und messbar. Es bremst das Stresshormon aus.

    Neuroplastizität und Gehirngesundheit: Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen haben herausgefunden, dass Tanzen die Gehirnstruktur positiv verändert. Durch die Bewegung zur Musik werden neue neuronale Verknüpfungen gefördert. Dies zeigt sich vor allem im Hippocampus – dem Gehirnareal, das für Gedächtnis und Lernen verantwortlich ist und durch seine enge Vernetzung mit der Amygdala auch die Regulierung unserer Emotionen steuert.

    Warum Tanzen effektiver ist als reines Fitnesstraining:
    Studien im Journal of Physiological Anthropology zeigen, dass Bewegung, die mit Musik und Rhythmus verbunden ist, das mentale und körperliche Wohlbefinden spürbarer und nachhaltiger verbessert als ein reines, funktionales Ausdauertraining. Musik berührt uns emotional, weil sie einen direkten Draht zu unserem limbischen System im Gehirn hat. Das limbische System ist das Zentrum aller Emotionen.

    Vom Denken ins Spüren

    Das intuitive, freie Tanzen ist für mich zu einem festen Bestandteil meiner täglichen Selfcare-Routine geworden. Dabei geht es mir überhaupt nicht um Perfektion, Choreographien oder darum, „schön“ zu tanzen. Perfektion spielt wirklich überhaupt keine Rolle.

    Es geht um das, was man in der somatischen Arbeit „intuitives Bewegen“ nennt. Ich schließe dabei die Augen, um ganz im Hier und Jetzt, in meinem Körper anzukommen.. Ich erlaube meinem Körper sich für ein oder zwei Lieder einfach so zu bewegen, wie er möchte.

    Manchmal ist es ein wildes Abschütteln, um Anspannung und Stress loszuwerden. Meist sind es aber sanfte, rhythmische und fließende Bewegungen, die mein System wieder ins Gleichgewicht bringen und die meinen Körper wieder mit meinen Emotionen verbinden.

    Ein kleiner Impuls für dich

    Wenn du das nächste Mal bemerkst, dass dir alles zu viel wird, dass du im „Funktionieren-Modus“ feststeckst und dein Atem flach wird, die Muskulatur verkrampft oder Ängste hochkommen, möchte ich dich einladen, folgendes auszuprobieren:

    Schenke dir selbst eine Pause von nur fünf Minuten. Such dir ein oder zwei Lieder aus, die dich berühren und die dir ein gutes Gefühl geben. Schließe deine Augen, wenn du möchtest.. Lass deinen Körper entscheiden, wie er sich jetzt bewegen möchte.

    Erlaube dir unperfekt und frei zu sein. Gib für ein paar Minuten die Kontrolle ab und lass komplett los. Dein Nervensystem wird es dir danken.

    Tanzt du manchmal einfach so für dich alleine? Und welches Lied bringt dich sofort wieder zurück in deinen Körper? Schreib es mir gerne in die Kommentare.


    Foto: Vitaly Gariev

  • Goldene Narben: Von der Schönheit des Unperfekten

    Goldene Narben: Von der Schönheit des Unperfekten

    Wir leben in einer Welt, die uns oft suggeriert, alles müsse makellos sein. Künstlich lächelnde Gesichter, perfekte Lebensläufe, ständige Leistungsfähigkeit. Doch wenn wir ehrlich sind, hinterlässt das Leben bei uns allen Spuren. Wir zerbrechen manchmal an Erfahrungen, wir bekommen Risse. Sie zu verstecken bedeutet, das Wertvollste an uns zu verbergen – unsere Resilienz und unsere einzigartige Geschichte.

    Kintsugi: Die goldene Verbindung

    In Japan gibt es eine jahrhundertealte Tradition namens Kintsugi, was übersetzt so viel wie „goldene Verbindung“ bedeutet. Wenn dort eine wertvolle Keramik zerbricht, wirft man die Scherben nicht einfach weg. Stattdessen werden sie in einem langsamen, achtsamen Prozess mit einem speziellen Naturlack wieder zusammengefügt.

    Im zweiten Schritt werden die Bruchstellen nicht einfach nur geklebt und kaschiert, sondern mit feinem Goldpuder hervorgehoben. Durch diese goldenen Linien wird das Gefäß nicht nur repariert – es verwandelt sich in ein einzigartiges Kunstwerk, dass es so noch nie gegeben hat. Die Brüche erzählen eine Geschichte und machen das Stück wertvoller als es im Originalzustand je war.

    Die Schönheit im Unvollkommenen

    Eng verbunden mit dieser Handwerkskunst ist die Philosophie des Wabi-Sabi. Hier geht es darum, die Schönheit in der Einfachheit und im Unperfekten zu finden. Es ist das Gegenteil von Perfektion und eine liebevolle Einladung zur Akzeptanz der Vergänglichkeit.

    Wenn wir genau hinschauen, zeigt uns die Natur ständig, wie inspirierend dieses „unperfekte“ Leben ist:

    • Der alte Baum: Denke an einen abgestorbenen, mit Moos bewachsenen Baumstamm im Wald. Er ist nicht mehr „perfekt“ oder produktiv im herkömmlichen Sinne. Doch gerade er dient unzähligen Lebewesen als Grundlage und bietet Schutz und Raum für neues Wachstum.
    • Das Herbstlaub: Blätter erstrahlen im Herbst in den schönsten Farben, bevor sie fallen. Als Laub schützen sie Tiere und Pflanzen vor der Winterkälte und werden im Frühling zu wertvollen Nährstoffen für den Boden.

    Was wir von den goldenen Linien lernen können

    Kintsugi und Wabi-Sabi lehren uns, dass aus vermeintlicher Unvollkommenheit etwas völlig Neues und Einzigartiges wachsen kann. Es geht um die Akzeptanz – die Akzeptanz, dass Dinge (und auch wir selbst) sich verändern, altern und auch mal zerbrechen dürfen.

    Vielleicht können wir unsere eigenen „Risse“ wie die goldenen Linien der japanischen Keramik betrachten. Sie sind kein Makel oder Fehler, den wir verstecken müssen. Sie sind der Beweis dafür, dass wir gelebt haben, dass wir widerstandsfähig sind und dass aus dem, was einmal zerbrochen war, etwas entstehen kann, das eine ganz eigene Kraft und Ausstrahlung besitzt.


    In meinem Buch ‚Mein schönes unperfektes Leben‘ nehme ich dich mit auf die Reise zur Schönheit im Unvollkommenen. Ich zeige dir, wie du deinen Alltag mit kleinen, achtsamen Ritualen und Übungen bereichern und noch ein Stück bewusster gestalten kannst.

    Alles Liebe,

    Yve

  • Heilströmen bei Ängsten

    Heilströmen bei Ängsten

    In Phasen, in denen dich Ängste oder innere Unruhe überwältigen, kannst du dich mit dem Halten deines Zeigefingers ganz einfach selbst unterstützen. Es ist eine kleine, unkomplizierte Übung mit großer Wirkung für dein emotionales Wohlbefinden.

    Im japanischen Heilströmen steht der Zeigefinger in direkter Verbindung zu Emotionen wie Angst, Unruhe und Unsicherheit.

    Anleitung

    Umschließe hierfür einfach deinen linken Zeigefinger locker mit der rechten Hand und verweile ohne Druck in dieser Position, bis du ein sanftes Pulsieren spürst oder merkst, wie dein Atem tiefer und ruhiger fließt. Ströme mehrere Minuten in Stille und wiederhole gerne mehrmals täglich.

    Diese einfache Übung signalisiert deinem Nervensystem Sicherheit, unterstützt das Loslassen von tiefsitzenden Spannungen und fördert ein Gefühl von tiefem Vertrauen und innerer Stabilität im Alltag.

    Möchtest du es gleich testen?

    Eine weitere Übung aus dem Heilströmen findest du hier.

    Herzliche Grüße,

    Yve

  • Einfach nur sein dürfen, so wie ich bin.

    Einfach nur sein dürfen, so wie ich bin.

    Lass die Worte einen kleinen Moment auf dich wirken. Schließe die Augen und wiederhole noch einmal: Einfach nur sein dürfen, so wie ich bin. Wie fühlt sich das für dich an?

    Schmerzvolle Erfahrungen, Fehler, Makel, körperliche Veränderungen, ungelöste innere Konflikte, Scheitern – wir alle kennen das. Wir alle sind durch schmerzvolle Tage, Wochen, Monate und manchmal auch Jahre gegangen. Es ist Teil unseres Lebens und gehört zum Menschsein dazu. Wenn wir lernen, das zu akzeptieren, können wir nach und nach die Schönheit im Unvollkommenen erkennen. Ja, es ist nicht immer einfach, denn wir können nicht alles Negative aus unserem Leben verbannen – doch Akzeptanz kann diesen Prozess erheblich erleichtern. Und selbst wenn wir lernen zu akzeptieren, kann es sich dennoch schmerzhaft anfühlen.

    Habe den Mut, deine wahre Persönlichkeit zu zeigen und deinen eigenen Weg zu gehen. Höre auf dein Herz und vertraue deiner Intuition, auch wenn es bedeutet, gegen den Strom zu schwimmen. Veränderungen brauchen Zeit und Geduld.

    Alles, was du tust und deinem wahren Wesen entspricht, macht dich – ganz ohne Druck und ohne Selbstoptimierungszwang – mit Leichtigkeit zur besten Version deiner selbst. Du bist gut so, wie du bist! Es braucht kein „Upgrade“, es sei denn, du möchtest es einzig und allein für dich tun – aus Freude, aus eigenem Antrieb, aus dem innersten Wunsch heraus zu entdecken, was alles in dir steckt. Es ist eine spannende und heilsame Reise zu dir selbst.

    Sicherlich kennst du den Gedanken: „Erst wenn ich das erreicht habe, werde ich glücklich sein.“ Vielleicht ist dir aber auch aufgefallen, dass das Glücksgefühl oft nur von kurzer Dauer ist und schnell wieder verfliegt. Frage dich deshalb: Was macht mein Leben wirklich erfüllt und reich?

    Alles Liebe,
    Yve



    Foto: Jure Širić

  • Was genau bedeutet Selfcare, und warum ist Selbstfürsorge so wichtig für dich?

    Was genau bedeutet Selfcare, und warum ist Selbstfürsorge so wichtig für dich?

    Weil du die Einzige bist, die wirklich weiß, wie es in dir drin aussieht.

    Wahrscheinlich hast du schon viel über Selbstfürsorge gehört – ob in Magazinen, sozialen Medien, Podcasts oder Büchern. Aber was steckt wirklich hinter dem Begriff „Selfcare“? Fragst du dich manchmal, wie du Selbstfürsorge im Alltag konkret umsetzen kannst?

    Die Ursprünge der Selbstfürsorge reichen weit zurück – bis in die Antike. Schon der griechische Philosoph Sokrates betrachtete die „kluge Selbstsorge“ als wesentlichen Teil eines gesunden Lebensstils. Selbstfürsorge bedeutet, bewusst Zeit für Pausen einzuplanen, achtsam mit dir selbst umzugehen und aktiv auf deine Bedürfnisse zu achten. Wie du diese Pausen gestaltest, liegt ganz bei dir – Hauptsache, du fühlst dich wohl und kannst einfach mal durchatmen. Wichtig ist, dass Selbstfürsorge und deine täglichen Auszeiten zu DIR passen und niemals zusätzlichen Druck oder Stress erzeugen. Wenn alle Welt von Yoga schwärmt, du dich auf der Matte aber nur unwohl fühlst – dann lass es. Es gibt kein ‚Richtig‘ oder ‚Falsch‘.

    Vielleicht ist es der Spaziergang im Wald, das Kuscheln mit deinem Hund oder einfach zehn Minuten in Ruhe lesen. Schau nicht darauf, was gerade Trend ist, sondern nur darauf, was dich wirklich wohlfühlen lässt.

    Klare Grenzen schützt dich vor Überlastung und innerem Stress. Deshalb: Höre gut auf deine Bedürfnisse. Kurze Momente des Innehaltens, wie eine kleine Atemübung, eine bewusste Teepause oder Tanzen zu deiner Lieblingsmusik, tragen wesentlich dazu bei, deinen Akku wieder aufzuladen und stärken langfristig deine psychische Widerstandskraft, deine Resilienz.

    Erlaube dir selbst, regelmäßig Pausen zu machen, und vergiss nicht: Selbstfürsorge ist kein Luxus, sondern die Voraussetzung, um langfristig gesund zu bleiben. Selbstfürsorge bedeutet nicht nur, sich kleine bewusste Pausen zu gönnen. Auch ausreichend Schlaf, Bewegung, achtsame Körperpflege, gesunde Ernährung, soziale Kontakte und das Annehmen von Hilfe, wenn du sie brauchst – all das gehört ebenfalls dazu.

    Tauche noch tiefer ein in die Welt der Selbstfürsorge.



    Der erste Schritt: Stelle dir selbst diese Fragen:

    •  Wie fühlt sich mein Körper gerade an?
    •  Bin ich verspannt?
    •  Fühle ich mich erschöpft?
    •  Atme ich tief und ruhig oder flach und schnell?
    •  Welche Signale sendet mein Körper?  Wie ist meine Körperhaltung? Aufrecht oder gebückt?
    •  Sind meine Schultern entspannt, oder ziehe ich sie bis zu den Ohren hoch?
    •  Presse ich die Zähne zusammen?
    •  Schmerzt mein Kiefergelenk, wenn ich den Mund öffne?
    •  Fühle ich mich chronisch müde?

      Hier geht’s zur Atemübung für zwischendurch.


    Ich freue mich über deinen Kommentar und deine Erfahrungen mit Selbstfürsorge im Alltag.

    Liebe Grüße,

    Yve Nicole


    Foto: www.kaboompics.com