Schlagwort: Loslassen

  • Über die Trauer, das Weiterleben und die Liebe, die bleibt

    Über die Trauer, das Weiterleben und die Liebe, die bleibt

    Wenn du mir schon länger folgst oder regelmäßig auf meinem Blog liest, weißt du: Hier geht es um mentale Gesundheit – um Impulse, Hintergründe und echte Lebenserfahrung. Genau deshalb gehört dieser Text hierher. Obwohl ich kurz gezögert habe, ob das nicht zu privat ist, möchte ich diesen Schmerz nicht verstecken. Wir müssen aufhören so zu tun, als müsste immer alles perfekt funktionieren. Auch Vermissen, Trauer und Verletzlichkeit brauchen ihren Platz.

    Über die Trauer…

    Und auch wenn ich weiß, dass du noch irgendwo hier bist … Nie wieder mit dir telefonieren zu können. Dich nie wieder in den Arm nehmen zu können. Nie wieder Rezepte auszutauschen. Nie wieder mit dir über missglückte Häkelversuche zu lachen. Nie wieder dein Lachen zu hören. Nie wieder …

    Wenn ein Mensch geht, der einen von klein auf begleitet, getröstet und beschützt hat, verändert sich alles. Es bleibt eine Lücke, die niemand sonst füllen kann. Beim Schreiben dieser Zeilen spüre ich den tiefen Schmerz über diesen Verlust – und doch zugleich eine große, unendliche Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit.



    Es ist mehr als nur Vermissen

    Obwohl wir tief in unserem Inneren spüren, dass die Liebe bleibt und der Mensch auf eine neue Art nah ist, fällt das Loslassen so schwer. Wir vermissen das Greifbare, das Vertraute: das Lächeln, die Stimme am Telefon, die kleinen Gesten. Wir halten an der bekannten Form fest – und genau das ist so menschlich.

    Trauer kommt in Wellen. Meist kommt sie unvorhersehbar und zieht einem ganz plötzlich den Boden unter den Füßen weg. An manchen Tagen überwiegt der Schmerz darüber, dass es nie wieder so sein wird. An anderen Tagen tröstet mich jedoch das Wissen, dass die Liebe für immer bleibt – und dass der Mensch nicht ganz geht, sondern seine Seele nach Hause zurückgekehrt ist.


    Wir alle lernen nach und nach, der Trauer und dem Leben gleichzeitig Raum zu geben.
    Das funktioniert nicht, indem wir versuchen, das Vermissen zu verdrängen, denn das würde bedeuten, zu vergessen, wie einzigartig diese Verbindung war. Sondern indem wir ihr einen festen Platz in unserem Alltag geben. Vielleicht in Form kleiner Rituale: eine Kerze anzünden, einen Dankesbrief schreiben, malen, tanzen, singen, Erinnerungen wie ein Schmuckstück bei sich tragen oder gemeinsame Hobbys weiterführen.

    Für mich war es ein wichtiger Schritt, die Gleichzeitigkeit aller Emotionen anzunehmen: Ich darf traurig sein und trotzdem lachen. Ich darf traurig sein und gleichzeitig voller Energie neue Projekte beginnen. Ich darf traurig sein und aussprechen, wie es mir geht. Ich darf traurig sein und trotzdem tanzen, singen und springen. Ich darf offen über meine Trauer sprechen, denn sie betrifft uns alle und braucht ebenso ihren Raum wie die Freude.

    Die Menschen, die gegangen sind, vermissen wir jeden Tag. Und doch spüren wir Dankbarkeit für all das, was war und uns für immer verbindet. Sie hinterlassen eine Lücke und zugleich Spuren, die uns durch unser ganzes Leben begleiten werden. Bis wir uns wiedersehen.

    Fühl dich umarmt,

    deine Yve



    Foto: Justyna Sieczka

  • Übungen zum Loslassen

    Übungen zum Loslassen

    Möchtest du den Loslassprozess aktiv unterstützen? Wie im Blogartikel Die Kunst des Loslassens bereits beschrieben, ist das Loslassen ein zentraler Baustein auf dem Weg zur inneren Heilung.

    1. Das Zettelritual

    Ein persönliches Abschiedsritual könnte eine schöne Möglichkeit sein, diesen vielleicht emotionalen Schritt zu begleiten. Durch das Niederschreiben dessen, was du loslassen möchtest, schaffst du Klarheit und machst den ersten Schritt zu innerem Frieden.

    Nimm dir für dieses Ritual ein paar kleine Zettel und notiere auf jedem Zettel ein Thema, das du loslassen möchtest. Gib dir dafür ausreichend Zeit und spüre nach, warum dir das so wichtig ist. Möchtest du dich von einem alten Glaubenssatz befreien, von belastenden Gefühlen gegenüber einer Person oder einen alten Lebensabschnitt abschließen?

    Im nächsten Schritt kannst du die Zettel entweder in einer feuerfesten Schale auf dem Balkon oder im Garten verbrennen – oder sie in der Erde vergraben. Bei einem buddhistischen Mönch habe ich einmal einen praktischen Tipp gelesen: Wer mag, nutzt stattdessen Klopapier und spült die Notizen einfach in der Toilette hinunter:)

    Spüre hinein, welche Methode dir ein gutes Gefühl gibt und dich behutsam auf diesem Weg begleitet. Ein Ritual schenkt dir den Raum, den Abschied bewusst zu durchleben und das Geschehene Schritt für Schritt zu akzeptieren.



    2. Einfache Atemübung mit Mantra

    Setze dich für die Atemübung an einen ruhigen Ort und atme zunächst ganz entspannt durch die Nase ein und aus. 

    Wenn dein Atem ruhig und gleichmäßig fließt, denke 

    – beim Einatmen bewusst „LOS“ und 

    – beim Ausatmen „LASSEN“. 

    Um den Effekt zu verstärken, kannst du auch durch den Mund ausatmen, falls es sich stimmig für dich anfühlt.

    Dauer: Etwa 3 bis 5 Minuten – stelle dir dafür am besten einen Timer.

    Mehr Übungen und Impulse für dein Wohlbefinden und weitere Selbstfürsorge-Tipps findest du in meinen Büchern (*Partnerlink) und auch in meinem Newsletter.


    Ich wünsche dir viel Freude beim Loslassen!

    Alles Liebe, Yve




    Foto: Van Trang Ho

  • Die Kunst des Loslassens: Raum für Neues schaffen und innere Freiheit finden

    Die Kunst des Loslassens: Raum für Neues schaffen und innere Freiheit finden

    „Du musst einfach loslassen.“ Ein Satz, den wir gefühlt hundertmal gehört und genauso oft empfohlen bekommen haben. Ein weiser Rat – der sich in der Praxis jedoch oft als unglaublich schwer erweist.

    Stell dir vor: Dein Herz schreit nach Veränderung und sagt dir ganz klar, dass du deine ungeliebte Arbeitsstelle kündigen solltest. Doch sofort schaltet sich der Verstand ein. Er äußert Bedenken, rät dir, lieber noch abzuwarten, und scheint dabei vernünftig abzuwägen. Das Ergebnis? Du bleibst, wo du bist, wirst von Tag zu Tag unglücklicher und ärgerst dich später vielleicht, die Chance auf etwas Besseres verpasst zu haben.

    Warum fällt uns das Loslassen so extrem schwer, obwohl wir wissen, wie gut es uns tun würde?

    Was Loslassen wirklich bedeutet

    Gehen wir einen Schritt zurück. Im Laufe unseres Lebens stehen wir immer wieder vor Situationen, in denen wir schweren Herzens Abschied nehmen müssen: von Menschen, von geliebten Haustieren oder von ganzen Lebensentwürfen.

    Doch nicht nur Ereignisse im Außen wollen losgelassen werden. Oft sind es innere Kämpfe, die uns blockieren:

    • Alte Glaubenssätze und unerreichbar hohe Erwartungen an uns selbst
    • Belastende Erfahrungen und tief sitzende Schuldgefühle
    • Ungesunde Beziehungen, die Energie rauben
    • Der Klammergriff der Vergangenheit

    Loslassen bewahrt uns vor Resignation und Stillstand. Es kann uns sogar vor Depressionen und Krankheiten schützen. Dennoch wehren wir uns oft mit Händen und Füßen dagegen.

    Der Grund ist simpel: Selbst wenn wir erkennen, wie gesund der Schritt wäre, kommen wir um Gefühle von Traurigkeit, Verlust, Enttäuschung und Schmerz nicht herum. Alles, was wir loslassen, hat uns schließlich über eine gewisse Zeit begleitet. Manch alter Glaubenssatz hat uns früher vielleicht sogar einmal beschützt und uns geholfen, schwierige Phasen zu überstehen.

    Zudem bedeutet Loslassen immer auch den Verlust von Kontrolle und vermeintlicher Sicherheit. Das löst Ängste aus – bekannte wie neue. Und wenn wir jemanden durch den Tod verlieren, erreicht dieser Schmerz eine Tiefe, die uns bis ins Mark erschüttern kann.

    Den Schmerz überwinden

    In solchen Phasen brauchen wir zwei Dinge ganz besonders: Selbstmitgefühl und Geduld. Es erfordert Mut, Zeit und das Vertrauen in uns selbst und in das Leben, das nach der Krise auf uns wartet.

    Rückblickend lässt sich jedoch oft etwas Erstaunliches feststellen: Gerade in den dunkelsten Zeiten des Loslassens – beim Durchleben von Trauer, Angst und Unsicherheit – wachsen wir über uns hinaus.

    Das mitten im Prozess zu erkennen, ist fast unmöglich. In solchen Momenten braucht es schlichtweg Zeit und manchmal auch professionelle Unterstützung. Therapeutische Hilfe einzufordern ist keine Schwäche, sondern Stärke und zeigt deine Bereitschaft, wirklich etwas verändern zu wollen.

    Der Moment der Befreiung

    Erinnerst du dich an das Gefühl, wenn du es schließlich doch geschafft hast? Wenn der gefühlt zentnerschwere Rucksack endlich von deinen Schultern gleitet?

    Menschen beschreiben diesen Moment oft mit:

    • einer großen Leichtigkeit und inneren Freiheit
    • reiner Zufriedenheit und großer Dankbarkeit
    • neu gewonnenem Vertrauen und innerem Frieden


    3 Schritte für dein bewusstes Loslassen

    Wenn du dich aktuell in einer Umbruchphase befindest, können dir diese drei Schritte helfen, deinen Ballast Schritt für Schritt abzuwerfen:

    1. Akzeptanz – Nimm Veränderungen an

    Der entscheidende erste Schritt zu innerem Frieden ist das Annehmen dessen, was ist. An der Vergangenheit festzuhalten führt unweigerlich in den Stillstand. Wenn du lernst, das loszulassen, was dich am Wachstum hindert, wirst du wieder freier und unbeschwerter leben. Trennungen und Verluste schmerzen, ja – aber dahinter warten neue Abenteuer, Glücksmomente und Chancen auf dich. Die schönen Erinnerungen bleiben in deinem Herzen, während du Raum für Neues schaffst.

    2. Entrümple dein Leben – Außen wie Innen

    Die fernöstliche Philosophie des Feng Shui lehrt uns, dass alles, was uns belastet, den natürlichen Energiefluss blockiert. Das gilt für das Physische wie das Emotionale:

    • Im Außen: Miste deine Wohnung aus. (*Partnerlink-Buchtipp) Das Beseitigen von unnötigem Krempel schafft sofort Klarheit, Ordnung und Struktur im Geist.
    • Im Innen: Miste deine emotionale „Ramsch-Schublade“ aus. Befreie dich Schritt für Schritt von Schuldgefühlen, unterdrückten Emotionen oder Energieräubern. Das fördert die Gesundheit von Körper, Geist und Seele.

    3. Gehe in den Austausch

    Wir alle tragen unsere Päckchen mit uns und wissen, wie weh Abschiede tun können. Du musst da nicht alleine durch. Ein vertrauensvolles, mitfühlendes Gespräch mit einem nahestehenden Menschen kann sehr tröstlich sein. Es zeigt dir, dass du mit deinem Schmerz nicht allein bist, schenkt dir neue Perspektiven und hilft dir dabei, deine Situation neu einzuordnen.

    Loslassen ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein Prozess, der Zeit, Selbstliebe, *Selbstfürsorge und Selbstakzeptanz erfordert. Sei geduldig mit dir. (*Partnerlink -Leseempfehlung)

    Wie geht es dir mit dem Loslassen? Kennst du dieses befreiende Gefühl, nachdem du einen schweren Rucksack abgelegt hast – oder steckst du gerade mittendrin?


    Liebe Grüße und viel Freude beim Loslassen!

    Deine Yve

    P. S.: Der Text zum Artikel stammt aus meinem ersten Buch „Mein schönes unperfektes Leben“. (*Partnerlink)


    Foto: Nirmal Rajendharkumar

  • Minimalismus: Wie weniger im Außen für mehr Ruhe im Innen sorgt

    Minimalismus: Wie weniger im Außen für mehr Ruhe im Innen sorgt

    Dein Schrank platzt aus allen Nähten – und trotzdem hast du nichts zum Anziehen? Du willst im Laden nur schnell zwei Dinge besorgen und gehst am Ende mit vollen Einkaufstüten nach Hause? Dieses Gefühl kenne ich selbst nur zu gut. Aus Angst, etwas zu verpassen, abonnieren wir auch unzählige Newsletter, folgen immer mehr Kanälen auf Social Media und saugen permanent Informationen auf. Unser Gehirn läuft auf Hochtouren. Kein Wunder, dass sich viele von uns erschöpft, gestresst und innerlich unruhig fühlen. Und das kurze Glücksgefühl nach dem Shoppen verpufft oft schneller, als wir denken.

    Wenn wir das Wort „Minimalismus” hören, denken viele zuerst an weiß-beige, leere Räume oder eine Capsule Wardrobe, also eine Auswahl weniger Kleidungsstücke, die nach dem radikalen Ausmisten des Kleiderschranks übrig bleibt. Doch Minimalismus ist viel mehr als nur ein Wohntrend oder eine von Influencern geprägte Stilrichtung. Er kann unsere mentale Gesundheit tatsächlich fördern.

    Denn äußerer Ballast ist meist auch innerer Ballast.

    Zu viel „Zeug“ erschöpft uns mental

    Unser Nervensystem liebt Ordnung. Hat jeder Gegenstand in deiner Wohnung seinen festen Platz? Oder suchst du immer wieder deine Schlüssel, dein Portemonnaie oder dein Haarband in einem Haufen von Dingen, die einfach so herumliegen? Jedes einzelne unaufgeräumte Teil, jede unerledigte Aufgabe auf dem Schreibtisch sowie jede ungelesene Benachrichtigung auf dem Smartphone versetzen dich in einen latenten emotionalen Stresszustand.

    Die Wissenschaft nennt das „Visual Clutter“, also visuelles Chaos. In einer bekannten Langzeitstudie der University of California (UCLA) wurde das Alltagsleben von Familien und deren Cortisolspiegel untersucht. Das Ergebnis bestätigt: Bei Frauen, die ihr Zuhause als chaotisch oder unordentlich wahrnahmen, wurden den gesamten Tag über erhöhte Cortisolwerte gemessen. Erst wenn die Unordnung beseitigt und die Anzahl der Dinge reduziert wird, können die Stresshormone im Körper wieder sinken. Zu viele Reize in unserer Umgebung überfordern demnach unser Gehirn und verhindern innere Ruhe und echte Entspannung.

    Minimalismus bedeutet aber nicht, zukünftig gar nichts mehr kaufen zu dürfen oder Dinge achtlos wegzuwerfen. Im Gegenteil: Beim Minimalismus geht es um den achtsamen Umgang und die Wertschätzung der Dinge, die wir bereits besitzen. Es geht darum, bewusst zu reduzieren, ohne einen Monat später das Aussortierte gleich wieder neu zu kaufen.

    Meine Begeisterung für den Minimalismus begann vor genau zehn Jahren, als ich Marie Kondo und ihr KonMari-Prinzip entdeckte. Ihr Buch „Magic Cleaning“ begeisterte nicht nur mich, sondern auch meinen Mann. Noch im selben Monat begannen wir, die gesamte Wohnung und den Keller auf den Kopf zu stellen und zu entrümpeln. Wir fühlten uns danach wirklich befreit und leichter. Aktuell bin ich wieder an einem Punkt, an dem ich eine neue Ausmist- und Entrümpelungsaktion plane. Und dieses Mal hat mein Mann den ersten Schritt gemacht und unseren Keller bereits um die Hälfte erleichtert. 🙂

    Wie wirkt sich Minimalismus auf deine mentale Gesundheit aus?

    Wie schon erwähnt, wirkt sich der materielle Minimalismus laut Studien (UCLA und McMains u. Kastner, Princeton Neuroscience Institute 2011) positiv auf dein Stresslevel aus. Ich möchte dir noch weitere Bereiche vorstellen. Hier ein kleiner Überblick :

    1. Der materielle Minimalismus

    Dein Zuhause sollte ein Ort der Entspannung und Sicherheit sein – kein Ort, an dem dein Nervensystem wegen zu hoher Cortisolwerte verrückt spielt. Wenn du beginnst, dich von Dingen zu trennen, die du nicht mehr brauchst oder liebst, passiert etwas Magisches: du befreist dich Stück für Stück von einer Last, die dir lange Zeit nicht bewusst war. Du fühlst dich befreit und leichter.

    • Der Benefit: Weniger Entscheidungen treffen müssen, weniger Zeitaufwand fürs Aufräumen – mehr Zeit für die wichtigen Dinge, wie Pausen machen, kreativ sein, Zeit mit den Liebsten.

    2. Der digitale Minimalismus

    Hand aufs Herz: Wie oft hattest du heute schon dein Smartphone in der Hand? Wir scrollen durch das Leben anderer, in Momenten, in denen wir eigentlich eine Atempause von der Hektik des Alltags bräuchten – und spüren dabei gar nicht, dass unser Nervensystem damit völlig überfordert ist. Digitaler Minimalismus bedeutet, bewusste Grenzen zu setzen. Lösche Apps, die dir Lebenszeit und Energie rauben. Schalte Push-Benachrichtigungen stumm. Und lege dein Handy täglich für mehrere Stunden ganz bewusst in eine Schublade.

    • Der Benefit: Deine Konzentration nimmt zu, weil du dich nicht mehr ständig ablenken lässt. Dein Nervensystem kann sich regulieren, da es nicht mehr permanent mit Reizen geflutet wird. Ängste werden reduziert und auch das Gefühl, etwas zu verpassen – das Phänomen FOMO (Fear of missing out) – lässt spürbar nach.

    3. Der mentale Minimalismus

    Wie oft hast du in letzter Zeit „Ja” gesagt, obwohl du lieber „Nein” gesagt hättest? Wie oft vereinbarst du Termine, obwohl du energetisch schon am Ende bist? Und wie viele Beziehungen pflegst du nur, um niemanden zu enttäuschen? Es geht um das Thema Grenzen setzen. Sind deine eigenen Bedürfnisse wichtig für dich oder möchtest du vor allem für andere funktionieren? Ein „Nein“ zu einem Termin, der dich eigentlich nur anstrengt, ist ein liebevolles „Ja“ zu dir selbst.

    • Der Benefit: Du schützt dich aktiv vor mentaler Erschöpfung und Burnout. Indem du Grenzen setzt, gewinnst du innere Ruhe, Leichtigkeit und mehr Lebensfreude. Du erkennst, dass deine mentale Gesundheit Vorrang hat – du musst niemandem gefallen.

    Beginne gleich heute: Drei kleine Schritte

    Minimalismus ist kein Projekt, das du an einem Wochenende perfekt abschließen musst. Meine erste Minimalismus-Reise hat übrigens insgesamt fast sechs Monate gedauert. Es ist ein fortlaufender Prozess, der mit ganz kleinen, liebevollen Schritten beginnt:

    • Die Schublade: Miste heute für nur fünf Minuten eine einzige Schublade aus. Sortiere die Dinge dabei in drei klare Kategorien: „Müll“, „Wertstoffhof/Recycling“ und „Behalten“. Wie fühlt es sich an, in so kurzer Zeit Ordnung geschaffen zu haben?
      Tipp:  Sammle Sachen für den Wertstoffhof oder Dinge, die du spenden möchtest, am besten direkt in Extrakisten im Keller oder Abstellraum. Du kannst sie nach und nach befüllen und gesammelt wegbringen, wenn sie voll sind.
    • Der bildschirmfreie Morgen: Beginne deinen Tag nicht mit deinem Smartphone. Atme bewusst, höre deine Lieblingsmusik, trinke deinen Tee oder Kaffee, schaue aus dem Fenster, dehne und strecke dich, lese ein paar Seiten in deinem Buch, schreibe in ein Journal, meditiere für wenige Minuten, tanze oder singe. Schenke deinem Körper und Geist 30 Minuten, um langsam im neuen Tag anzukommen.
    • Die „Not-To-Do-Liste“: Was möchtest du in dieser Woche nicht tun? Schreibe drei Dinge auf, wie zum Beispiel: nichts Neues kaufen, das Smartphone morgens nach dem Aufwachen erstmal ignorieren, oder einen Termin absagen? Du entscheidest nur für dich, du hast die Wahl.

    Fazit: Lass los, was dich beschwert – und schenke dir Raum für mehr Leichtigkeit im Leben

    Minimalismus schenkt dir die Möglichkeit, dich wieder mit dir selbst zu verbinden – mit dem, was wirklich wichtig ist. Ganz ohne die Ablenkung von außen. Während du aussortierst und reduzierst, übst du dich gleichzeitig darin, mentalen Ballast loszulassen.

    Beginne am besten gleich heute mit der ersten Schublade. Deine mentale Gesundheit wird es dir danken.

    Ich freue mich über deine Erfahrungen! Teile sie gerne in den Kommentaren.


    Alles Liebe, Yve




    Quellen & Buchtipp aus diesem Artikel:

    Hier findest du die Studien und das Buch, auf die ich mich im Artikel beziehe:

    Die Princeton-Studie (Visuelles Chaos im Gehirn): McMains, S., & Kastner, S. (2011): Interactions of Top-Down and Bottom-Up Mechanisms in Human Visual Cortex. In: The Journal of Neuroscience, 31(2), 581–597.

    Der Klassiker zum Einstieg: Kondo, Marie (2013): Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert. Rowohlt Taschenbuch Verlag.

    Die UCLA-Studie (Cortisol & Unordnung): Arnold, J. E., Graesch, A. P., Ragazzini, E., & Ochs, E. (2012): Life at Home in the Twenty-First Century. Center on Everyday Lives of Families (CELF) an der University of California, Los Angeles.

  • Raus aus dem Stress-Modus

    Raus aus dem Stress-Modus

    Wie du mit Qigong dein Nervensystem sanft beruhigst.

    In meiner Praxis als Qigong-Lehrerin gehört diese Übung zu meinen absoluten Favoriten beim Aufwärmen.
    Dein ganzer Körper wird weich und locker.

    Schritt 1: Beginne damit, dich leicht zu schütteln – ganz ohne Anstrengung. Lass die Schultern entspannt nach unten sinken, die Arme schwingen frei mit. Das Becken bleibt locker und die Knie sind sanft gebeugt. So kann sich die Energie leicht durch den ganzen Körper bis in die Füße verteilen.

    Schritt 2: Wenn du einen guten Rhythmus gefunden hast, lass deine Arme seitlich um deinen Körper schwingen. Drehe dich dabei weich von einer Seite zur anderen, sodass eine leichte Rotation in deiner Wirbelsäule entsteht.
    Die Hände klopfen dabei sanft deinen Körper.

    Atme während der Übung ganz natürlich ein und möglichst lange aus. Wenn du dabei durch den Mund ausatmest, spürst du oft noch ein bisschen schneller, wie dein Körper lockerlässt.

    Die Bewegung darf ganz natürlich fließen – schüttle alles ab, was sich schwer anfühlt, und lass mehr Leichtigkeit in deinen Körper kommen.

    Das Ausschütteln ist eine der einfachsten und zugleich wirkungsvollsten Methoden, um das Nervensystem zu beruhigen und den Energiefluss, das sogenannte Qi, zu aktivieren.

    Gleichzeitig hilft das Schwingen der Arme, Emotionen und innere Unruhe abzubauen.

    Schon wenige Minuten reichen aus, um sich freier, leichter und innerlich ruhiger zu fühlen. Es ist eine kleine, aber kraftvolle Übung, die deinem Nervensystem signalisiert:

    „Du darfst loslassen. Dein Körper ist sicher.“

    Viel Freude beim Schütteln, Schwingen und Loslassen!

    Yve



    Foto: Alexey Demidov