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  • Wie spirituell bist du? Spoiler: Viel mehr, als du denkst!

    Wie spirituell bist du? Spoiler: Viel mehr, als du denkst!

    Wenn du das Wort „Spiritualität“ hörst – woran denkst du da zuerst? An Menschen, die im Schneidersitz meditieren oder kniend beten? An Frauen in weißen, weiten Leinenkleidern, mit Kristallketten um den Hals? An Räucherstäbchen oder Heilsteine, die im Mondlicht aufgeladen werden müssen?

    Lange Zeit dachte ich selbst, dass man Spiritualität nur mit Disziplin und noch mehr Meditation erreichen kann. Der Buddhismus spielt seit meiner Jugend eine wichtige Rolle in meinem Leben und tatsächlich haben mich die buddhistische Philosophie und Meditation durch manch dunkle Stunde getragen. Doch je mehr ich im Einklang mit mir selbst, meinem Nervensystem und meiner Berufung lebe, desto klarer wird mir: Spiritualität finden wir vor allem in den kleinen Momenten – wie beispielsweise in der tiefen Verbindung mit der Natur, in der Stille, in ehrlichen Gesprächen sowie im Zusammensein mit Tieren – und in meinem Fall auch im Tierschutz.

    Spiritualität braucht keine Perfektion und keinen Druck.

    Die Magie der leisen Momente

    Verbindung ist die Essenz der Spiritualität. Wir stehen dabei nicht nur in Verbindung mit unserem wahren Selbst – mit dem, wer wir wirklich sind –, sondern gleichzeitig und oft ganz unbewusst mit allem, was uns umgibt. Vielleicht fühlst du dich besonders wohl, wenn du unter einem alten, großen Baum Platz nimmst? Oder wenn du ein bestimmtes Lied hörst? Vielleicht spürst du auch eine tiefe Liebe zu den Menschen und Tieren, die dir besonders nahestehen – oder du liebst es einfach zu tanzen, ganz für dich, in deinem eigenen Rhythmus, und alles um dich herum komplett zu vergessen. All das ist Spiritualität.

    Du musst nicht dein ganzes Leben verändern, um spirituell zu sein. Vermutlich bist du es schon längst, ohne es bewusst gewählt zu haben.

    Möchtest du wieder mehr von diesen bewussten Momenten der Verbindung in deinen Alltag integrieren? Hier sind vier einfache Inspirationen, wie du gelebte Spiritualität ganz ungezwungen in dein Leben einladen kannst:

    1. Achtsamer Waldspaziergang: Nimm den Duft von feuchter Erde wahr, setze jeden Schritt ganz bewusst auf den weichen Waldboden, lausche dem Rauschen der Blätter im sanften Wind und werde dir bewusst, dass du ein Teil dieser wunderschönen Erde bist.

    2. Bewusste Atemzüge: Schließe deine Augen und lege eine Hand auf dein Herz, die andere auf deinen Bauch. Atme tief durch die Nase ein und sanft durch den Mund wieder aus. Nimm wahr, wie du mit jedem Atemzug ein bisschen weicher wirst.

    3. Echte Dankbarkeit: Lege beide Hände auf dein Herz und spüre in Gedanken mindestens drei Dingen nach, für die du jetzt von ganzem Herzen dankbar bist. Das können Dinge sein wie: Ich bin dankbar für meinen Körper. Ich bin dankbar für die geliebten Menschen und Tiere in meinem Leben. Ich bin dankbar für mein sicheres Zuhause.

    4. Reine Stille: Nichts tun, nichts anhören, nicht sprechen, nicht lesen – einfach nur das Hier und Jetzt wahrnehmen. Zehn Minuten bewusste Stille sind für dein Nervensystem wie ein kleiner Urlaub – sie verbinden dich mit dir selbst, deiner inneren Stimme und deinem Herzen.
    Das alles ist gelebte Spiritualität.


    Der Blick nach innen

    Wenn wir den Kontakt zu uns selbst verlieren, können wir uns auch nur schwer in unser Gegenüber hineinfühlen. Wir verlieren die Verbindung.

    Spiritualität ist die Einladung, den Blick wieder nach innen zu richten und sich seiner selbst bewusst zu werden – mit allem, was uns ausmacht. Auch alte Verletzungen, Ängste, Wut und Trauer dürfen da sein und finden ihren Platz. Wir verleugnen unsere Emotionen nicht mehr. Im Gegenteil: Wir erkennen unseren alten Schmerz, ja sogar den Ur-Schmerz an, und schauen ganz genau hin, was dahinter liegt. Öffne dein Herz für dich selbst und verstehe, dass es nicht darauf ankommt, immer ein glückliches und perfektes Leben zu führen – es geht vielmehr darum, wie wir mit den Herausforderungen des Lebens umgehen.

    Es heißt nicht, die Realität zu ignorieren und alles nur positiv zu sehen. Im Gegenteil: Wahre Spiritualität bedeutet anzunehmen, dass wir in einer Welt der Polarität leben – in der es Licht und Schatten gibt, Yin und Yang, das „Gute“ und das „Böse“. Alles existiert. Auch in uns selbst.

    Dein ganz persönlicher Weg

    Es gibt kein „Richtig“ oder „Falsch“. Deine Spiritualität ist so individuell wie du selbst.

    Sei neugierig, was dich auf der Reise zu dir selbst erwartet. Es ist ein wundervolles Abenteuer – und ja, es werden dir kleine und ganz große Steine in den Weg gelegt werden. Du hast die Wahl: Bleibst du stehen und kapitulierst? Oder gehst du mutig einen kleinen Umweg um die Steine herum und folgst weiter deinem Herzen?

    Spüre jetzt einmal für dich nach: In welchen Momenten fühlst du diese magische Verbindung zu dir selbst am stärksten? Wann wird es in dir ganz still und friedlich?

    Schnapp dir am besten gleich ein Blatt Papier oder dein Journal und einen Stift. Nimm dir ein paar Minuten Zeit und schreibe all das auf, was dir ganz intuitiv zu den Fragen und zu deiner persönlichen Spiritualität einfällt.

    Hat dir dieser Impuls gutgetan? Dann teile deine Gedanken dazu in den Kommentaren – ich freue mich so sehr auf den Austausch mit dir!



    Liebe Grüße,

    Yve

  • Minimalismus: Wie weniger im Außen für mehr Ruhe im Innen sorgt

    Minimalismus: Wie weniger im Außen für mehr Ruhe im Innen sorgt

    Dein Schrank platzt aus allen Nähten – und trotzdem hast du nichts zum Anziehen? Du willst im Laden nur schnell zwei Dinge besorgen und gehst am Ende mit vollen Einkaufstüten nach Hause? Dieses Gefühl kenne ich selbst nur zu gut. Aus Angst, etwas zu verpassen, abonnieren wir unzählige Newsletter, folgen immer mehr Kanälen auf Social Media und saugen permanent Informationen auf. Unser Gehirn läuft auf Hochtouren. Kein Wunder, dass sich viele von uns erschöpft, gestresst und innerlich unruhig fühlen. Und das kurze Glücksgefühl nach dem Shoppen verpufft oft schneller, als wir denken.

    Wenn wir das Wort Minimalismus hören, denken viele zuerst an weiß-beige, leere Räume oder eine Capsule Wardrobe – also an wenige, ausgewählte Kleidungsstücke nach dem radikalen Ausmisten des Schrankes. Doch Minimalismus ist weit mehr als nur ein Wohntrend oder eine Ästhetik, die von Influencern geprägt wird. Er kann unsere mentale Gesundheit tatsächlich fördern.

    Denn äußerer Ballast ist meist auch innerer Ballast.

    Zu viel „Zeug“ erschöpft uns mental

    Unser Nervensystem liebt Ordnung. Hat jeder Gegenstand in deiner Wohnung seinen festen Platz? Oder suchst du immer wieder deine Schlüssel, dein Portemonnaie oder dein Haarband in einem Haufen von Dingen, die einfach so herumliegen? Jedes einzelne unaufgeräumte Teil, jede unerledigte Aufgabe auf dem Schreibtisch sowie jede ungelesene Benachrichtigung auf dem Smartphone versetzen dich in einen latenten emotionalen Stresszustand.

    Die Wissenschaft nennt das „Visual Clutter“, also visuelles Chaos. In einer bekannten Langzeitstudie der University of California (UCLA) wurde das Alltagsleben von Familien und deren Cortisolspiegel untersucht. Das Ergebnis bestätigt: Bei Frauen, die ihr Zuhause als chaotisch oder unordentlich wahrnahmen, wurden den gesamten Tag über erhöhte Cortisolwerte gemessen. Erst wenn die Unordnung beseitigt und die Anzahl der Dinge reduziert wird, können die Stresshormone im Körper wieder sinken. Zu viele Reize in unserer Umgebung überfordern demnach unser Gehirn und verhindern innere Ruhe und echte Entspannung.

    Minimalismus bedeutet aber nicht, zukünftig gar nichts mehr kaufen zu dürfen oder Dinge achtlos wegzuwerfen. Im Gegenteil: Beim Minimalismus geht es um den achtsamen Umgang und die Wertschätzung der Dinge, die wir bereits besitzen. Es geht darum, bewusst zu reduzieren, ohne einen Monat später das Aussortierte gleich wieder neu zu kaufen.

    Meine Begeisterung für den Minimalismus begann vor genau zehn Jahren, als ich Marie Kondo und ihr KonMari-Prinzip entdeckte. Ihr Buch „Magic Cleaning“ begeisterte nicht nur mich, sondern auch meinen Mann. Noch im selben Monat begannen wir, die gesamte Wohnung und den Keller auf den Kopf zu stellen und zu entrümpeln. Wir fühlten uns danach wirklich befreit und happy. Aktuell bin ich wieder an einem Punkt, an dem ich eine neue Ausmist- und Entrümpelungsrunde plane. Und dieses Mal hat mein Mann den ersten Schritt gemacht und unser Kellerabteil bereits um die Hälfte erleichtert. 🙂

    Wie wirkt sich Minimalismus auf deine mentale Gesundheit aus?

    Wie schon erwähnt, wirkt sich der materielle Minimalismus laut Studien (UCLA und McMains u. Kastner, Princeton Neuroscience Institute 2011) positiv auf dein Stresslevel aus. Ich möchte dir noch weitere Bereiche vorstellen. Hier ein kleiner Überblick :

    1. Der materielle Minimalismus

    Dein Zuhause sollte ein Ort der Entspannung und Sicherheit sein – kein Ort, an dem dein Nervensystem wegen zu hoher Cortisolwerte verrückt spielt. Wenn du beginnst, dich von Dingen zu trennen, die du nicht mehr brauchst oder liebst, passiert etwas Magisches: du befreist dich Stück für Stück von einer Last, die dir lange Zeit nicht bewusst war. Du fühlst dich befreit und leichter.

    • Der Benefit: Weniger Entscheidungen treffen müssen, weniger Zeitaufwand fürs Aufräumen – mehr Zeit für die wichtigen Dinge, wie Pausen machen, kreativ sein, Zeit mit den Liebsten.

    2. Der digitale Minimalismus

    Hand aufs Herz: Wie oft hattest du heute schon dein Smartphone in der Hand? Wir scrollen durch das Leben anderer, in Momenten, in denen wir eigentlich eine Atempause von der Hektik des Alltags bräuchten – und spüren dabei gar nicht, dass unser Nervensystem damit völlig überfordert ist. Digitaler Minimalismus bedeutet, bewusste Grenzen zu setzen. Lösche Apps, die dir Lebenszeit und Energie rauben. Schalte Push-Benachrichtigungen stumm. Und lege dein Handy täglich für mehrere Stunden ganz bewusst in eine Schublade.

    • Der Benefit: Deine Konzentration nimmt zu, weil du dich nicht mehr ständig ablenken lässt. Dein Nervensystem kann sich regulieren, da es nicht mehr permanent mit Reizen geflutet wird. Ängste werden reduziert und auch das Gefühl, etwas zu verpassen – das Phänomen FOMO (Fear of missing out) – lässt spürbar nach.

    3. Der mentale Minimalismus

    Wie oft hast du in letzter Zeit „Ja” gesagt, obwohl du lieber „Nein” gesagt hättest? Wie oft vereinbarst du Termine, obwohl du energetisch schon am Ende bist? Und wie viele Beziehungen pflegst du nur, um niemanden zu enttäuschen? Es geht um das Thema Grenzen setzen. Sind deine eigenen Bedürfnisse wichtig für dich oder möchtest du vor allem für andere funktionieren? Ein „Nein“ zu einem Termin, der dich eigentlich nur anstrengt, ist ein liebevolles „Ja“ zu dir selbst.

    • Der Benefit: Du schützt dich aktiv vor mentaler Erschöpfung und Burnout. Indem du Grenzen setzt, gewinnst du innere Ruhe, Leichtigkeit und mehr Lebensfreude. Du erkennst, dass deine mentale Gesundheit Vorrang hat – du musst niemandem gefallen.

    Beginne gleich heute: Drei kleine Schritte

    Minimalismus ist kein Projekt, das du an einem Wochenende perfekt abschließen musst. Meine erste Minimalismus-Reise hat übrigens insgesamt fast sechs Monate gedauert. Es ist ein fortlaufender Prozess, der mit ganz kleinen, liebevollen Schritten beginnt:

    • Die Schublade: Miste heute für nur fünf Minuten eine einzige Schublade aus. Sortiere die Dinge dabei in drei klare Kategorien: „Müll“, „Wertstoffhof/Recycling“ und „Behalten“. Wie fühlt es sich an, in so kurzer Zeit Ordnung geschaffen zu haben?
      Tipp:  Sammle Sachen für den Wertstoffhof oder Dinge, die du spenden möchtest, am besten direkt in Extrakisten im Keller oder Abstellraum. Du kannst sie nach und nach befüllen und gesammelt wegbringen, wenn sie voll sind.
    • Der bildschirmfreie Morgen: Beginne deinen Tag nicht mit deinem Smartphone. Atme bewusst, höre deine Lieblingsmusik, trinke deinen Tee oder Kaffee, schaue aus dem Fenster, dehne und strecke dich. Schenke deinem Körper und Geist 30 Minuten, um langsam im neuen Tag anzukommen.
    • Die „Not-To-Do-Liste“: Was möchtest du in dieser Woche nicht tun? Schreibe drei Dinge auf, wie etwa nichts Neues kaufen, das Smartphone morgens nach dem Aufwachen nicht in die Hand nehmen, oder möchtest du einen Termin absagen? Du entscheidest nur für dich, du hast die Wahl.

    Fazit: Lass los, was dich beschwert – und schenke dir Raum für mehr Leichtigkeit im Leben

    Minimalismus schenkt dir die Möglichkeit, dich wieder mit dir selbst zu verbinden – mit dem, was wirklich wichtig ist. Ganz ohne die Ablenkung von außen. Während du aussortierst und reduzierst, übst du dich gleichzeitig darin, mentalen Ballast loszulassen.

    Beginne am besten gleich heute mit der ersten Schublade. Deine mentale Gesundheit wird es dir danken.

    Ich freue mich über deine Erfahrungen! Teile sie gerne in den Kommentaren.


    Alles Liebe, Yve




    Quellen & Buchtipp aus diesem Artikel:

    Hier findest du die Studien und das Buch, auf die ich mich im Artikel beziehe:

    Die Princeton-Studie (Visuelles Chaos im Gehirn): McMains, S., & Kastner, S. (2011): Interactions of Top-Down and Bottom-Up Mechanisms in Human Visual Cortex. In: The Journal of Neuroscience, 31(2), 581–597.

    Der Klassiker zum Einstieg: Kondo, Marie (2013): Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert. Rowohlt Taschenbuch Verlag.

    Die UCLA-Studie (Cortisol & Unordnung): Arnold, J. E., Graesch, A. P., Ragazzini, E., & Ochs, E. (2012): Life at Home in the Twenty-First Century. Center on Everyday Lives of Families (CELF) an der University of California, Los Angeles.

  • Ein chronisch dysreguliertes Nervensystem? Warum „Urlaub machen“ bei innerer Unruhe nicht hilft

    Ein chronisch dysreguliertes Nervensystem? Warum „Urlaub machen“ bei innerer Unruhe nicht hilft

    Als ich vor mittlerweile über 20 Jahren meine eigene bewusste Heilreise begann, stieß ich in Büchern, durch eine Traumatherapie und auch in meinem persönlichen Umfeld immer wieder auf ein Thema: das Nervensystem.

    Ehrlich gesagt: Damals konnte ich den Zusammenhang zwischen Körper und Geist noch nicht vollständig begreifen. Den Begriff „Psychosomatik“ kannte ich natürlich. Aber dass ich aktiv auf mein Nervensystem einwirken kann? Das erzählte mir niemand.

    Stattdessen bekam ich von meiner Hausärztin Ratschläge wie: „Nehmen Sie sich mal eine Auszeit, fahren Sie in den Urlaub.“ Oder: „Machen Sie sich doch einfach etwas weniger Sorgen.“

    Ach, wenn es doch so einfach wäre! Wie du sicher auch schon selbst festgestellt hast, ist es mit solchen Ratschlägen nicht getan. Das Problem sitzt viel tiefer. Damals gab es kaum Informationen darüber, wie eng unsere mentale und körperliche Gesundheit mit einem dysregulierten Nervensystem verbunden sind. Heute wissen wir zum Glück mehr – und vielleicht hast auch du schon selbst erkannt, welch entscheidenden Einfluss ein reguliertes Nervensystem auf dein Wohlbefinden hat.

    Das Nervensystem: Ein faszinierendes Alarmsystem

    Das Nervensystem ist ein komplexes Universum aus Milliarden von Nervenzellen, das fortlaufend von der Wissenschaft erforscht wird. Leider wird diesem Thema in den meisten Arztpraxen nach wie vor viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

    Eine der wichtigsten Funktionen deines Nervensystems ist es, dich vor Gefahren zu schützen. Die Zellen reagieren blitzschnell auf Sinnesreize, verarbeiten sie und lösen Reaktionen aus. Das passiert ganz automatisch, ohne dass wir bewusst darüber nachdenken müssen – dank unseres hoch entwickelten, inneren Alarmsystems.

    Stell dir vor, du berührst versehentlich eine heiße Herdplatte: Noch bevor du den Schmerz überhaupt bewusst wahrnimmst oder denken kannst „Aua, heiß!“, hat dein Nervensystem deine Hand schon reflexartig zurückgezogen.

    Doch hier kommt der entscheidende Punkt: Unser Nervensystem unterscheidet nicht zwischen der heißen Herdplatte und unserem emotionalen Erleben. Alle unsere Handlungen, Gefühle, Kindheitserfahrungen, Nachrichten und Gespräche beeinflussen dieses System. Und neben der Gefahrenabwehr reguliert das autonome Nervensystem eben auch dein Immunsystem, deine Atmung, die Herzfrequenz, die Körpertemperatur, die Verdauung und deine Hormone.

    Wenn der Körper unter Dauerstrom steht: Die Fawn-Response & Hypervigilanz

    Es gibt Zustände des Nervensystems, die erst seit kurzer Zeit mehr Aufmerksamkeit bekommen, die aber rückblickend mein Leben über lange Zeit massiv beeinflusst haben.

    1. Die Fawn-Response (Unterwerfungsreaktion)

    Ausgelöst durch belastende Erlebnisse oder eine fehlende Co-Regulation (die liebevolle emotionale Begleitung durch Bezugspersonen) in der Kindheit, entwickeln viele Menschen eine sogenannte Fawn-Response. Betroffene vernachlässigen oft ihre eigenen Bedürfnisse, um dem Gegenüber zu gefallen und Konflikte zu vermeiden. Man nennt es auch „People Pleasing“.

    Es fällt unglaublich schwer, eigene Grenzen überhaupt wahrzunehmen. Die Folge? Chronische Überforderung, schnelle Erschöpfung und ein Gefühl der Energielosigkeit. Dieses dringende Bedürfnis nach Harmonie hat auch mich in den ersten Jahrzehnten meines Lebens intensiv begleitet.

    2. Hypervigilanz (Ständige Alarmbereitschaft)

    Bist du besonders schreckhaft? Leidest du unter innerer Unruhe bei Lärm, wenn die Tür zufällt oder lauten Stimmen? Bei der Hypervigilanz ist dein Nervensystem in ständiger Alarmbereitschaft. Es scannt permanent die Umgebung ab, um abzuwägen, ob Gefahr droht.

    Vielleicht kennst du das: Du sitzt eigentlich entspannt auf dem Sofa, und plötzlich schießt Angst oder Unwohlsein in dir hoch. Schon ein einziger Gedanke an einen bevorstehenden Termin reicht aus, um den Alarm auszulösen. Dein Körper erinnert sich an alte, belastende Situationen und will dich um jeden Preis beschützen.

    In solchen Momenten schüttet der Körper Stresshormone wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol aus. Dein Herz rast, deine Atmung wird flacher – und das, obwohl du gemütlich auf dem Sofa unter deiner Kuscheldecke liegst.

    Bitte sei in solchen Momenten besonders liebevoll mit dir: Du bist weder falsch noch allein mit dem, was du fühlst. Dein Körper tut in diesem Moment genau das, was er gelernt hat – er reagiert auf tief abgespeicherte Erinnerungen. Es melden sich Anteile in dir, die noch nach Sicherheit suchen.

    Symptome: Wie sich ein chronisch dysreguliertes Nervensystem äußert

    Wenn das Nervensystem langfristig überreizt ist, kann sich das in einer Vielzahl von mentalen und körperlichen Symptomen zeigen:

    • Herzrasen und Herzklopfen
    • Schlafstörungen, bleierne Müdigkeit und Erschöpfung
    • Ängste, innere Unruhe und Konzentrationsprobleme
    • Druck auf der Brust oder Atemnot (Überatmung)
    • Verdauungsstörungen, Übelkeit und Kopfschmerzen
    • Muskelverspannungen und Aufgewühltheit
    • Fehlende Lebensfreude und das Gefühl, nicht genug oder richtig zu sein

    Langfristig erhöht dieser Dauerstress das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Magen-Darm-Beschwerden, ein geschwächtes Immunsystem sowie psychische Erkrankungen wie Panikattacken, Burnout oder Depressionen.


    „Du bist nicht dein Trauma!“ – Alfred Adler

    Erste Hilfe: Wie du dein Nervensystem regulieren kannst

    Was kannst du also tun, um deinem überreizten Nervensystem die Sicherheit zu geben, das es so dringend braucht?

    In meinen Kursen, Einzelstunden und im Austausch mit betroffenen Menschen haben sich bestimmte Tools als besonders wirksam erwiesen. Auch für mein eigenes, sensibles Nervensystem haben sie einen spürbaren Unterschied gemacht. Probier aus, was sich für dich gut anfühlt:

    Konsum überdenken: Es kann unglaublich entlastend sein, den Konsum von Social Media, Fernsehen, Kaffee und Zucker langfristig zu reduzieren.

    Regelmäßige Entspannungsübungen: Praktiken wie Qigong, Yoga Nidra, Yin Yoga, Meditation, japanisches Heilströmen oder gezielte Atemübungen, wie die tiefe Bauchatmung, helfen langfristig und auch im Notfall. Auch regelmäßige Bewegung und Zeit in der Natur bewirken Wunder.

    Achtsamkeitsübungen im Alltag: Gestalte eine feste Morgen- und Abendroutine. Versuche, alltägliche Handlungen wie Essen, Zähne putzen oder Wäsche zusammenlegen ganz bewusst und langsam durchzuführen.

    Selbstfürsorge: Gönne dir ganz bewusst Pausen. Ein warmes Fußbad, eine ruhige Teepause, Zeit für Kunst und Kreativität sowie gesunder Schlaf helfen dem Körper beim Herunterfahren.

    Heilsame Verbindungen: Der regelmäßige, ehrliche und vertrauensvolle Kontakt zu Familie, Freund:innen und zu Tieren spendet dem Nervensystem das Gefühl von Sicherheit.


    Du musst diesen Weg nicht alleine gehen

    Auch wenn diese Übungen und Verhaltensänderungen deine Gesundheit positiv beeinflussen werden, kann es sein, dass alte Gefühle und Muster aus der Kindheit oder ungesunde Beziehungen dein Nervensystem weiterhin stark belasten.

    Wenn du merkst, dass du alleine nicht weiterkommst, ist das absolut in Ordnung. In diesem Fall kann es unglaublich wertvoll sein, die Unterstützung einer Psychologin oder einer auf Trauma spezialisierten Therapeutin oder Trainerin in Anspruch zu nehmen. Gemeinsam könnt ihr negative Verhaltensmuster aufdecken und Schritt für Schritt loslassen.

    Vergiss nie: Deine Reise zu mehr innerer Sicherheit braucht Zeit – und du bist nicht allein auf diesem Weg. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass bereits der Weg dorthin eine wundervolle Reise zu dir selbst sein kann. Ja, es darf herausfordernd sein und es darf auch mal weh tun. Doch die Erkenntnisse, die du daraus gewinnen wirst, sind unbezahlbar.


    FAQ: Häufig gestellte Fragen zum dysregulierten Nervensystem

    Was ist ein chronisch dysreguliertes Nervensystem?

    Ein chronisch dysreguliertes Nervensystem befindet sich in einem dauerhaften Alarmzustand, ohne dass eine reale, akute Gefahr vorliegt. Ausgelöst durch anhaltenden Stress, ungelöste Traumata oder emotionale Belastungen in der Kindheit, verliert der Körper die Fähigkeit, sich nach Stressphasen wieder eigenständig in den Zustand der Sicherheit und Ruhe zu regulieren.

    Was sind typische Symptome eines dysregulierten Nervensystems?

    Die Symptome können sowohl körperlicher als auch mentaler Natur sein. Häufige Anzeichen sind chronische Erschöpfung, innere Unruhe, Herzrasen, Schlafstörungen, Verdauungsbeschwerden, Muskelverspannungen und erhöhte Schreckhaftigkeit (Hypervigilanz). Auf psychischer Ebene äußert es sich oft durch Ängste, emotionale Taubheit, Konzentrationsprobleme oder durch das schon bekannte People Pleasing (Fawn-Response).

    Was ist die Fawn-Response – die Unterwerfungsreaktion?

    Die Fawn-Response ist eine biologische Überlebensstrategie des Nervensystems, die meist auf Kindheitserfahrungen zurückgeht. Statt mit Kampf (Fight) oder Flucht (Flight) zu reagieren, versuchen Betroffene, Gefahren und Konflikte abzuwenden, indem sie sich anpassen, die eigenen Bedürfnisse ignorieren und es anderen Menschen um jeden Preis recht machen wollen. Im Alltag zeigt sich dies oft als chronisches People Pleasing.

    Warum hilft Urlaub nicht bei einem dysregulierten Nervensystem?

    Eine kurze Auszeit oder ein Urlaub bekämpfen oft nur die oberflächlichen Symptome, ändern jedoch nichts an den tief sitzenden, im Körper gespeicherten Mustern und Erinnerungen. Da ein dysreguliertes Nervensystem Gefahr wittert, obwohl man „entspannt auf dem Sofa sitzt“, braucht es kontinuierliche, alltägliche Routinen und oft auch traumatherapeutische Begleitung, um dem Körper langfristig wieder echte Sicherheit zu vermitteln.

    Sei geduldig mit dir und deinem Körper; jeder noch so kleine Schritt zurück in die Sicherheit zählt.

    Alles Liebe,

    Yve




    Quellen und weiterführende Literaturempfehlungen:

    Wenn du tiefer in die neurobiologischen Zusammenhänge von Trauma, Stress und Nervensystemregulation eintauchen möchtest, empfehle ich dir diese Standardwerke der modernen Traumaforschung:

    Maté, Gabor (2023): Vom Mythos des Normalen: Trauma, Krankheit und Heilung in einer toxischen Kultur.(Original: The Myth of Normal).

    Van der Kolk, Bessel (2015): Verkörperter Schrecken: Wie Trauma in Körper, Geist und Gehirn heilt und wie wir wieder ganz werden. (Original: The Body Keeps the Score).

    Maté, Gabor (2004): Wenn der Körper Nein sagt: Wie verborgener Stress krank macht und wie wir gesund werden.(Original: When the Body Says No).

    Foto: Nuta Sorokina

  • Worte, die verändern: Wie wirksam sind Affirmationen wirklich?

    Worte, die verändern: Wie wirksam sind Affirmationen wirklich?

    „Ich kann das nicht.“ „Ich bin nicht gut genug.“ „Alles ist gerade so anstrengend.“ Hand aufs Herz: Wie oft ertappst du dich bei solchen Sätzen? Oder fällt es dir vielleicht schon gar nicht mehr auf? Diese Form des Selftalks läuft meist auf Autopilot, also ganz unbewusst – und ist leider viel zu häufig gegen uns selbst gerichtet. Doch genau hier können wir mit positiven und wohlwollenden Affirmationen gegensteuern. Sie sind viel mehr als nur spirituelles „Schöngerede“: Affirmationen sind ein wundervolles Tool, um unser Gehirn auf Ruhe, Selbstliebe und sogar Heilung zu programmieren.

    Was genau sind Affirmationen?

    Eine Affirmation ist ein positiv formulierter Satz – abgeleitet vom lateinischen Wort für „Bejahung“ – den wir laut oder gedanklich wiederholen, um tief sitzende, negative Überzeugungen über uns selbst bewusst aufzulösen. Die bekannte US-amerikanische Bestsellerautorin Louise Hay erklärte schon vor Jahrzehnten, dass die bewusste Wahl unserer Worte nicht nur unsere mentale, sondern auch unsere körperliche Gesundheit maßgeblich positiv beeinflussen kann.


    Die Wissenschaft dahinter: Neuroplastizität

    Dass Affirmationen helfen, gehört schon lange nicht mehr nur in die Welt der Spiritualität oder Esoterik. Die Neurowissenschaft erklärt dies mit dem Prinzip der Neuroplastizität. Bis ins hohe Alter kann sich unser Gehirn verändern und bleibt lern- sowie wandlungsfähig. So hat jeder Gedanke, jedes Wort, das wir regelmäßig wiederholen, Auswirkungen auf unsere Lebensqualität. Man spricht hierbei von neuronalen Autobahnen, die sich aufgrund von Wiederholungen bilden.

    Wenn du heute beginnst, täglich einen neuen, positiven Satz zu wiederholen, baut das Gehirn eine neue neuronale Autobahn. Nach einer gewissen Zeit – meist ca. drei bis vier Wochen, wenn die Affirmation emotional stark aufgeladen ist – verändert sich dadurch nicht nur deine Wahrnehmung, sondern nachweislich auch dein Stresslevel. Der Cortisolspiegel sinkt und du fühlst dich gelassener sowie in herausfordernden Phasen resilienter – also widerstands- und handlungsfähiger.

    Wenn du dir die Affirmation nicht nur vorsagst, sondern sie auch mit Bildern (Visualisierungen) und Gefühlen verknüpfst, beschleunigt das den Prozess.

    Die 3 goldenen Regeln für wirksame Affirmationen

    Damit eine Affirmation im Unterbewusstsein wirken kann, sollte sie drei Kriterien erfüllen:

    1. Gegenwart: Formuliere den Satz so, als wäre er schon Realität. Also nicht: „Ich werde gelassen sein und vertrauen“, sondern: „Ich bin gelassen und im Vertrauen.“
    2. Positiv formulieren: Das Wort „nicht“ kann unser Unterbewusstsein nur schwer verarbeiten. Wähle statt „Ich fühle mich nicht mehr unsicher“ lieber eine Formulierung wie: „Ich vertraue dem Prozess des Lebens. Ich bin in Sicherheit.“
    3. Es muss sich richtig anfühlen: Der Satz sollte keinen inneren Widerstand auslösen. Löst deine Affirmation ein gutes Gefühl aus? Zaubert sie dir vielleicht sogar ein Lächeln ins Gesicht? Dann hast du deine Affirmation gefunden:)

    Ein kleiner Satz mit großer Wirkung

    Als ich vor sieben Jahren bei einer Fortbildung zum ersten Mal von der heilenden Wirkung von Affirmationen hörte, war ich sofort fasziniert. Ich begann direkt mit eigenen Selbstversuchen und testete die Wirkung unterschiedlichster Sätze.

    Probiere es am besten gleich selbst aus: Formuliere eine einzige Affirmation, die dich emotional berührt. Schreibe sie auf ein Post-it und klebe es an einen Ort, den du oft siehst – beispielsweise an den Badezimmerspiegel, an den Kühlschrank oder an deinen Schreibtisch. Sprich den Satz jeden Morgen nach dem Aufwachen dreimal laut und bewusst aus. Lege dabei deine Hände auf dein Herz, schließe die Augen und verknüpfe die Worte mit einem positiven Bild. Nutze dafür deine Vorstellungskraft – das kann ein goldenes Licht sein oder ein schöner Ort in der Natur.

    Schon eine einzige Minute deiner bewussten Aufmerksamkeit reicht aus, um dein Unterbewusstsein positiv zu beeinflussen und dein mentales sowie körperliches Wohlbefinden langfristig zu fördern.

    Inspirationen von Luise Hay

    • Ich liebe und akzeptiere mich und vertraue dem Prozess des Lebens.
    • Freudig lasse ich die Vergangenheit hinter mir.
    • Ich bin im Frieden und in Sicherheit.
    • Liebevoll lasse ich Freude durch Herz, Geist, Körper und meine Gedanken fließen.
    • Ich bin ganz in meiner Mitte und lebe im Frieden.
    • Ich bin gut genug, genau so wie ich bin.
    • Ich bin willens, mich zu wandeln und zu wachsen.


      Mach dir keinen Druck, es muss nicht von Anfang an perfekt sein. Such dir einfach für den Start einen Satz aus, schreibe ihn auf ein Post-it und probier’s aus. Du wirst sehen, es tut einfach unheimlich gut.

      Alles Liebe,
      Yve


      Quellen:
      Louise Hay, Heile deinen Körper, 3.Aufl. 2025
      Cascio, C. N., O’Donnell, M. B., Bayer, J., Tinney, F. J., Lieberman, M. D., Taylor, S. E., … & Falk, E. B. (2016). Self-affirmation activates brain systems associated with valuation and self-processing. Social Cognitive and Affective Neuroscience

      Foto: Josh Willink
  • Die Heilkraft des Tanzens – und warum es glücklich macht

    Die Heilkraft des Tanzens – und warum es glücklich macht

    Wenn das Herz rast, die Gedanken kreisen und das Nervensystem im Alarmmodus ist, wählen wir oft den Weg in die Stille. Ich habe mich in der Vergangenheit in solchen Momenten oft an mein Meditationskissen oder an Atemübungen geklammert. Aber vielleicht kennst du das auch: Manchmal bewirkt diese Ruhe genau das Gegenteil. Wenn zu viel Stress und Anspannung im System steckt, fühlt sich das ruhige Sitzen erzwungen und falsch an – und wir enden noch überreizter, als wir ohnehin schon waren

    In den letzten Jahren habe ich durch meine Arbeit mit dem Körper gelernt, dass wir Stress nicht immer nur „wegatmen“ oder „wegmeditieren“ können. Manchmal müssen wir den Körper einfach bewegen.

    Eine Bewegungsform, die mich auf meinem eigenen Weg der Regulation immer wieder rettet, ist so simpel wie heilsam:  Das freie, intuitive Tanzen.

    Was passiert in uns, wenn wir erstarren?

    Ein chronisch dysreguliertes Nervensystem bedeutet, dass unser Körper permanent unter Strom steht und die Stresshormone Cortisol sowie Adrenalin ausschüttet. Das ist das uralte biologische Programm für Kampf oder Flucht (Fight-or-Flight). Heute kämpfen wir zwar nicht mehr gegen Säbelzahntiger, doch die Trigger unseres Alltags lösen exakt dieselbe körperliche Reaktion aus. Da wir die Flucht- oder Kampfenergie im Büro, in der U-Bahn oder am Küchentisch aber nicht physisch ausleben können, bleibt die Anspannung tief in unseren Muskeln und Faszien gefangen. Unser System findet keine Möglichkeit, sich zu entladen und reagiert mit Erstarrung.

    Damit wir diesen Teufelskreis durchbrechen können, braucht das Nervensystem eine klare Botschaft: Die Gefahr ist vorüber, du darfst dich entspannen

    Das sagt die Wissenschaft: Wie Bewegung die mentale und körperliche Gesundheit beeinflusst

    Dass Tanzen uns guttut, spüren wir intuitiv und schon nach wenigen Minuten. Umso faszinierender ist es zu sehen, dass die moderne Neurowissenschaft und Psychologie genau das bestätigen:

    Der Cortisol-Down-Effekt: Eine im Fachmagazin Frontiers in Human Neuroscience veröffentlichte Studie untersuchte die Auswirkungen von Tanztherapie auf das Stresslevel. Das Ergebnis ist beeindruckend: Regelmäßiges Tanzen senkt den Cortisolspiegel im Speichel nachweislich und messbar. Es bremst das Stresshormon aus.

    Neuroplastizität und Gehirngesundheit: Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen haben herausgefunden, dass Tanzen die Gehirnstruktur positiv verändert. Durch die Bewegung zur Musik werden neue neuronale Verknüpfungen gefördert. Dies zeigt sich vor allem im Hippocampus – dem Gehirnareal, das für Gedächtnis und Lernen verantwortlich ist und durch seine enge Vernetzung mit der Amygdala auch die Regulierung unserer Emotionen steuert.

    Warum Tanzen effektiver ist als reines Fitnesstraining:
    Studien im Journal of Physiological Anthropology zeigen, dass Bewegung, die mit Musik und Rhythmus verbunden ist, das mentale und körperliche Wohlbefinden spürbarer und nachhaltiger verbessert als ein reines, funktionales Ausdauertraining. Musik berührt uns emotional, weil sie einen direkten Draht zu unserem limbischen System im Gehirn hat. Das limbische System ist das Zentrum aller Emotionen.

    Vom Denken ins Spüren

    Das intuitive, freie Tanzen ist für mich zu einem festen Bestandteil meiner täglichen Selfcare-Routine geworden. Dabei geht es mir überhaupt nicht um Perfektion, Choreographien oder darum, „schön“ zu tanzen. Perfektion spielt wirklich überhaupt keine Rolle.

    Es geht um das, was man in der somatischen Arbeit „intuitives Bewegen“ nennt. Ich schließe dabei die Augen, um ganz im Hier und Jetzt, in meinem Körper anzukommen.. Ich erlaube meinem Körper sich für ein oder zwei Lieder einfach so zu bewegen, wie er möchte.

    Manchmal ist es ein wildes Abschütteln, um Anspannung und Stress loszuwerden. Meist sind es aber sanfte, rhythmische und fließende Bewegungen, die mein System wieder ins Gleichgewicht bringen und die meinen Körper wieder mit meinen Emotionen verbinden.

    Ein kleiner Impuls für dich

    Wenn du das nächste Mal bemerkst, dass dir alles zu viel wird, dass du im „Funktionieren-Modus“ feststeckst und dein Atem flach wird, die Muskulatur verkrampft oder Ängste hochkommen, möchte ich dich einladen, folgendes auszuprobieren:

    Schenke dir selbst eine Pause von nur fünf Minuten. Such dir ein oder zwei Lieder aus, die dich berühren und die dir ein gutes Gefühl geben. Schließe deine Augen, wenn du möchtest.. Lass deinen Körper entscheiden, wie er sich jetzt bewegen möchte.

    Erlaube dir unperfekt und frei zu sein. Gib für ein paar Minuten die Kontrolle ab und lass komplett los. Dein Nervensystem wird es dir danken.

    Tanzt du manchmal einfach so für dich alleine? Und welches Lied bringt dich sofort wieder zurück in deinen Körper? Schreib es mir gerne in die Kommentare.


    Foto: Vitaly Gariev

  • Goldene Narben: Von der Schönheit des Unperfekten

    Goldene Narben: Von der Schönheit des Unperfekten

    Wir leben in einer Welt, die uns oft suggeriert, alles müsse makellos sein. Künstlich lächelnde Gesichter, perfekte Lebensläufe, ständige Leistungsfähigkeit. Doch wenn wir ehrlich sind, hinterlässt das Leben bei uns allen Spuren. Wir zerbrechen manchmal an Erfahrungen, wir bekommen Risse. Sie zu verstecken bedeutet, das Wertvollste an uns zu verbergen – unsere Resilienz und unsere einzigartige Geschichte.

    Kintsugi: Die goldene Verbindung

    In Japan gibt es eine jahrhundertealte Tradition namens Kintsugi, was übersetzt so viel wie „goldene Verbindung“ bedeutet. Wenn dort eine wertvolle Keramik zerbricht, wirft man die Scherben nicht einfach weg. Stattdessen werden sie in einem langsamen, achtsamen Prozess mit einem speziellen Naturlack wieder zusammengefügt.

    Im zweiten Schritt werden die Bruchstellen nicht einfach nur geklebt und kaschiert, sondern mit feinem Goldpuder hervorgehoben. Durch diese goldenen Linien wird das Gefäß nicht nur repariert – es verwandelt sich in ein einzigartiges Kunstwerk, dass es so noch nie gegeben hat. Die Brüche erzählen eine Geschichte und machen das Stück wertvoller als es im Originalzustand je war.

    Die Schönheit im Unvollkommenen

    Eng verbunden mit dieser Handwerkskunst ist die Philosophie des Wabi-Sabi. Hier geht es darum, die Schönheit in der Einfachheit und im Unperfekten zu finden. Es ist das Gegenteil von Perfektion und eine liebevolle Einladung zur Akzeptanz der Vergänglichkeit.

    Wenn wir genau hinschauen, zeigt uns die Natur ständig, wie inspirierend dieses „unperfekte“ Leben ist:

    • Der alte Baum: Denke an einen abgestorbenen, mit Moos bewachsenen Baumstamm im Wald. Er ist nicht mehr „perfekt“ oder produktiv im herkömmlichen Sinne. Doch gerade er dient unzähligen Lebewesen als Grundlage und bietet Schutz und Raum für neues Wachstum.
    • Das Herbstlaub: Blätter erstrahlen im Herbst in den schönsten Farben, bevor sie fallen. Als Laub schützen sie Tiere und Pflanzen vor der Winterkälte und werden im Frühling zu wertvollen Nährstoffen für den Boden.

    Was wir von den goldenen Linien lernen können

    Kintsugi und Wabi-Sabi lehren uns, dass aus vermeintlicher Unvollkommenheit etwas völlig Neues und Einzigartiges wachsen kann. Es geht um die Akzeptanz – die Akzeptanz, dass Dinge (und auch wir selbst) sich verändern, altern und auch mal zerbrechen dürfen.

    Vielleicht können wir unsere eigenen „Risse“ wie die goldenen Linien der japanischen Keramik betrachten. Sie sind kein Makel oder Fehler, den wir verstecken müssen. Sie sind der Beweis dafür, dass wir gelebt haben, dass wir widerstandsfähig sind und dass aus dem, was einmal zerbrochen war, etwas entstehen kann, das eine ganz eigene Kraft und Ausstrahlung besitzt.


    In meinem Buch ‚Mein schönes unperfektes Leben‘ nehme ich dich mit auf die Reise zur Schönheit im Unvollkommenen. Ich zeige dir, wie du deinen Alltag mit kleinen, achtsamen Ritualen und Übungen bereichern und noch ein Stück bewusster gestalten kannst.

    Alles Liebe,

    Yve

  • Heilströmen bei Ängsten

    Heilströmen bei Ängsten

    In Phasen, in denen dich Ängste oder innere Unruhe überwältigen, kannst du dich mit dem Halten deines Zeigefingers ganz einfach selbst unterstützen. Es ist eine kleine, unkomplizierte Übung mit großer Wirkung für dein emotionales Wohlbefinden.

    Im japanischen Heilströmen steht der Zeigefinger in direkter Verbindung zu Emotionen wie Angst, Unruhe und Unsicherheit.

    Anleitung

    Umschließe hierfür einfach deinen linken Zeigefinger locker mit der rechten Hand und verweile ohne Druck in dieser Position, bis du ein sanftes Pulsieren spürst oder merkst, wie dein Atem tiefer und ruhiger fließt. Ströme mehrere Minuten in Stille und wiederhole gerne mehrmals täglich.

    Diese einfache Übung signalisiert deinem Nervensystem Sicherheit, unterstützt das Loslassen von tiefsitzenden Spannungen und fördert ein Gefühl von tiefem Vertrauen und innerer Stabilität im Alltag.

    Möchtest du es gleich testen?

    Eine weitere Übung aus dem Heilströmen findest du hier.

    Herzliche Grüße,

    Yve

  • Raus aus dem Stress-Modus

    Raus aus dem Stress-Modus

    Wie du mit Qigong dein Nervensystem sanft beruhigst.

    In meiner Praxis als Qigong-Lehrerin gehört diese Übung zu meinen absoluten Favoriten beim Aufwärmen.
    Dein ganzer Körper wird weich und locker.

    Schritt 1: Beginne damit, dich leicht zu schütteln – ganz ohne Anstrengung. Lass die Schultern entspannt nach unten sinken, die Arme schwingen frei mit. Das Becken bleibt locker und die Knie sind sanft gebeugt. So kann sich die Energie leicht durch den ganzen Körper bis in die Füße verteilen.

    Schritt 2: Wenn du einen guten Rhythmus gefunden hast, lass deine Arme seitlich um deinen Körper schwingen. Drehe dich dabei weich von einer Seite zur anderen, sodass eine leichte Rotation in deiner Wirbelsäule entsteht.
    Die Hände klopfen dabei sanft deinen Körper.

    Atme während der Übung ganz natürlich ein und möglichst lange aus. Wenn du dabei durch den Mund ausatmest, spürst du oft noch ein bisschen schneller, wie dein Körper lockerlässt.

    Die Bewegung darf ganz natürlich fließen – schüttle alles ab, was sich schwer anfühlt, und lass mehr Leichtigkeit in deinen Körper kommen.

    Das Ausschütteln ist eine der einfachsten und zugleich wirkungsvollsten Methoden, um das Nervensystem zu beruhigen und den Energiefluss, das sogenannte Qi, zu aktivieren.

    Gleichzeitig hilft das Schwingen der Arme, Emotionen und innere Unruhe abzubauen.

    Schon wenige Minuten reichen aus, um sich freier, leichter und innerlich ruhiger zu fühlen. Es ist eine kleine, aber kraftvolle Übung, die deinem Nervensystem signalisiert:

    „Du darfst loslassen. Dein Körper ist sicher.“

    Viel Freude beim Schütteln, Schwingen und Loslassen!

    Yve



    Foto: Alexey Demidov

  • Japanisches Heilströmen

    Japanisches Heilströmen

    Japanisches Heilströmen, auch bekannt als Jin Shin Jyutsu, ist eine alte Kunst der liebevollen Selbstberührung. Mit den Händen hältst du bestimmte Punkte am Körper – die sogenannten Sicherheitsenergieschlösser –, die wie kleine Türöffner wirken.

    Durch diese sanfte, achtsame Berührung beruhigt sich dein Nervensystem, der Atem wird ruhiger und der Energiefluss im Körper beginnt sich wieder zu harmonisieren.

    Heilströmen hilft dabei, innere Anspannung zu lösen und die natürlichen Selbstheilungskräfte zu unterstützen. Viele Frauen erleben dadurch schon nach kurzer Zeit mehr Gelassenheit, innere Stabilität und eine wohltuende Balance.

    Das Besondere: Du kannst jederzeit deine Hände auflegen – ob zuhause vor dem Einschlafen, unterwegs im Bus oder einfach zwischendurch im Alltag. Schon 10 bis 15 Minuten reichen oft aus, um wieder mehr Ruhe, Halt und Verbindung zu dir selbst zu spüren.

    Probier`s gleich mal aus!

    Die beiden Sicherheitsenergieschlösser 22,, liegen unterhalb der beiden Schlüsselbeine, rechts und links vom Brustbein. (siehe Illustration)

    Das Energieschloss 22 öffnet den Brustraum, vertieft die Atmung und beruhigt das Nervensystem. Da Atmung und Hormonsystem eng zusammenarbeiten, wirkt SES 22 besonders ausgleichend bei Stress, emotionalem Belastungen, Ängsten und hormonellen Schwankungen. Außerdem unterstützt es dich dabei, all das abfließen zu lassen, was dir schadet.

    Anwendung:

    Lege beide Hände sanft unter das Schlüsselbein, halte die Punkte ohne Druck und atme ruhig weiter. Ströme 10 bis 15 Minuten, gerne im Liegen mit geschlossenen Augen.

    Viele Freude beim Strömen und Entspannen!

    Foto: Puwadon Sang-ngern

  • Wie dein Nervensystem im Stress reagiert

    Wie dein Nervensystem im Stress reagiert

    Unser Nervensystem kennt verschiedene Überlebensmodi.

    Der Sympathikus aktiviert den Zustand von „Kampf oder Flucht“. Wenn wir zu lange im Dauerstress bleiben, läuft dieses Notfallprogramm ununterbrochen. Das führt zu Symptomen wie Herzrasen, Unruhe, Angst, schneller Atmung, Muskelverspannungen, Verdauungsproblemen und einem Gefühl innerer Überforderung. Kein Wunder, dass wir uns irgendwann erschöpft und ausgelaugt fühlen.

    Der Parasympathikus hingegen ist für Ruhe, Regeneration und Wohlbefinden zuständig. Wird er aktiviert, beruhigen sich Herzschlag und Atmung, der Körper kann sich entspannen, Emotionen stabilisieren sich, und wir fühlen uns wieder klarer, kreativer und ausgeglichener.

    In extremen Situationen kann der Körper zudem in einen Zustand der Erstarrung fallen – eine Art Schutzmechanismus, wenn weder Kampf noch Flucht möglich erscheint. Dieser Zustand kann, besonders bei unverarbeiteten Erlebnissen aus der Kindheit, länger anhalten und sich in Erschöpfung, Energielosigkeit oder depressiver Stimmung zeigen.

    Ein weiterer, oft übersehener Überlebensmodus ist die Fawn-Response – die Unterwerfungs- oder „People Pleasing“-Reaktion. Betroffene versuchen, durch Gefallen und Anpassung Sicherheit zu gewinnen. Eigene Bedürfnisse werden übergangen, Grenzen sind schwer spürbar, und innere Erschöpfung entsteht schnell.

    Zu verstehen, wie dein Nervensystem funktioniert, ist der erste Schritt, um sanft herauszufinden, welche Form der Selbstfürsorge dir wirklich hilft, wieder mehr Ruhe, Balance und innere Stärke aufzubauen.

    Dein Körper will dich nicht überfordern, sondern schützen. Doch im Überlebensmodus verlierst du leicht den Kontakt zu dir selbst: du funktionierst mehr, als du fühlst. Der Weg zurück beginnt nicht mit Anstrengung, sondern mit Sicherheit, Sanftheit und kleinen Momenten, in denen du dich wieder spüren darfst.


    Hier gehts zu meinen Büchern, wenn du mehr über das Nervensystem erfahren möchtest.

    Liebe Grüße,
    Yve

    Foto: Mikhail Nilov