Kategorie: Selbstfürsorge

  • Worte, die verändern: Wie wirksam sind Affirmationen wirklich?

    Worte, die verändern: Wie wirksam sind Affirmationen wirklich?

    „Ich kann das nicht.“ „Ich bin nicht gut genug.“ „Alles ist gerade so anstrengend.“ Hand aufs Herz: Wie oft ertappst du dich bei solchen Sätzen? Oder fällt es dir vielleicht schon gar nicht mehr auf? Diese Form des Selftalks läuft meist auf Autopilot, also ganz unbewusst – und ist leider viel zu häufig gegen uns selbst gerichtet. Doch genau hier können wir mit positiven und wohlwollenden Affirmationen gegensteuern. Sie sind viel mehr als nur spirituelles „Schöngerede“: Affirmationen sind ein wundervolles Tool, um unser Gehirn auf Ruhe, Selbstliebe und sogar Heilung zu programmieren.

    Was genau sind Affirmationen?

    Eine Affirmation ist ein positiv formulierter Satz – abgeleitet vom lateinischen Wort für „Bejahung“ – den wir laut oder gedanklich wiederholen, um tief sitzende, negative Überzeugungen über uns selbst bewusst aufzulösen. Die bekannte US-amerikanische Bestsellerautorin Louise Hay erklärte schon vor Jahrzehnten, dass die bewusste Wahl unserer Worte nicht nur unsere mentale, sondern auch unsere körperliche Gesundheit maßgeblich positiv beeinflussen kann.


    Die Wissenschaft dahinter: Neuroplastizität

    Dass Affirmationen helfen, gehört schon lange nicht mehr nur in die Welt der Spiritualität oder Esoterik. Die Neurowissenschaft erklärt dies mit dem Prinzip der Neuroplastizität. Bis ins hohe Alter kann sich unser Gehirn verändern und bleibt lern- sowie wandlungsfähig. So hat jeder Gedanke, jedes Wort, das wir regelmäßig wiederholen, Auswirkungen auf unsere Lebensqualität. Man spricht hierbei von neuronalen Autobahnen, die sich aufgrund von Wiederholungen bilden.

    Wenn du heute beginnst, täglich einen neuen, positiven Satz zu wiederholen, baut das Gehirn eine neue neuronale Autobahn. Nach einer gewissen Zeit – meist ca. drei bis vier Wochen, wenn die Affirmation emotional stark aufgeladen ist – verändert sich dadurch nicht nur deine Wahrnehmung, sondern nachweislich auch dein Stresslevel. Der Cortisolspiegel sinkt und du fühlst dich gelassener sowie in herausfordernden Phasen resilienter – also widerstands- und handlungsfähiger.

    Wenn du dir die Affirmation nicht nur vorsagst, sondern sie auch mit Bildern (Visualisierungen) und Gefühlen verknüpfst, beschleunigt das den Prozess.

    Die 3 goldenen Regeln für wirksame Affirmationen

    Damit eine Affirmation im Unterbewusstsein wirken kann, sollte sie drei Kriterien erfüllen:

    1. Gegenwart: Formuliere den Satz so, als wäre er schon Realität. Also nicht: „Ich werde gelassen sein und vertrauen“, sondern: „Ich bin gelassen und im Vertrauen.“
    2. Positiv formulieren: Das Wort „nicht“ kann unser Unterbewusstsein nur schwer verarbeiten. Wähle statt „Ich fühle mich nicht mehr unsicher“ lieber eine Formulierung wie: „Ich vertraue dem Prozess des Lebens. Ich bin in Sicherheit.“
    3. Es muss sich richtig anfühlen: Der Satz sollte keinen inneren Widerstand auslösen. Löst deine Affirmation ein gutes Gefühl aus? Zaubert sie dir vielleicht sogar ein Lächeln ins Gesicht? Dann hast du deine Affirmation gefunden:)

    Ein kleiner Satz mit großer Wirkung

    Als ich vor sieben Jahren bei einer Fortbildung zum ersten Mal von der heilenden Wirkung von Affirmationen hörte, war ich sofort fasziniert. Ich begann direkt mit eigenen Selbstversuchen und testete die Wirkung unterschiedlichster Sätze.

    Probiere es am besten gleich selbst aus: Formuliere eine einzige Affirmation, die dich emotional berührt. Schreibe sie auf ein Post-it und klebe es an einen Ort, den du oft siehst – beispielsweise an den Badezimmerspiegel, an den Kühlschrank oder an deinen Schreibtisch. Sprich den Satz jeden Morgen nach dem Aufwachen dreimal laut und bewusst aus. Lege dabei deine Hände auf dein Herz, schließe die Augen und verknüpfe die Worte mit einem positiven Bild. Nutze dafür deine Vorstellungskraft – das kann ein goldenes Licht sein oder ein schöner Ort in der Natur.

    Schon eine einzige Minute deiner bewussten Aufmerksamkeit reicht aus, um dein Unterbewusstsein positiv zu beeinflussen und dein mentales sowie körperliches Wohlbefinden langfristig zu fördern.

    Inspirationen von Luise Hay

    • Ich liebe und akzeptiere mich und vertraue dem Prozess des Lebens.
    • Freudig lasse ich die Vergangenheit hinter mir.
    • Ich bin im Frieden und in Sicherheit.
    • Liebevoll lasse ich Freude durch Herz, Geist, Körper und meine Gedanken fließen.
    • Ich bin ganz in meiner Mitte und lebe im Frieden.
    • Ich bin gut genug, genau so wie ich bin.
    • Ich bin willens, mich zu wandeln und zu wachsen.


      Mach dir keinen Druck, es muss nicht von Anfang an perfekt sein. Such dir einfach für den Start einen Satz aus, schreibe ihn auf ein Post-it und probier’s aus. Du wirst sehen, es tut einfach unheimlich gut.

      Alles Liebe,
      Yve


      Quellen:
      Louise Hay, Heile deinen Körper, 3.Aufl. 2025
      Cascio, C. N., O’Donnell, M. B., Bayer, J., Tinney, F. J., Lieberman, M. D., Taylor, S. E., … & Falk, E. B. (2016). Self-affirmation activates brain systems associated with valuation and self-processing. Social Cognitive and Affective Neuroscience

      Foto: Josh Willink
  • Energie im Fluss: Warum Qigong weit mehr ist als nur Bewegung

    Energie im Fluss: Warum Qigong weit mehr ist als nur Bewegung

    Kennst du diese Tage, an denen du schon kurz nach dem Aufwachen weißt: Das wird verdammt anstrengend. Der Nacken schmerzt, du fühlst dich schwummrig und erschöpft. In unserer westlichen Welt versuchen wir oft, diese Symptome isoliert zu bekämpfen: Eine Kopfschmerztablette hier, ein paar Tropfen für die Nerven da. Nur um am Ende festzustellen, dass sie sich auf diesem Weg einfach nicht beseitigen lassen – sie kommen immer wieder.

    Einen ganz anderen Ansatz verfolgt die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Sie fragt nicht bloß nach dem Schmerz, sondern sucht nach der Blockade im Energiefluss des Körpers. Die Suche nach den Ursachen verbindet dabei ganzheitlich die körperliche, mentale und die energetische Ebene.

    Eine der kraftvollsten Tools dieser jahrtausendealten Medizin ist Qigong. Denkst du dabei auch sofort an ältere Menschen, die sich in Zeitlupe durch den Stadtpark bewegen? Damit bist du nicht allein:) Doch Qigong ist so viel mehr als ein bisschen Dehnen und sanfte Gymnastik. Als eine der fünf Säulen der TCM betrachtet Qigong deinen Körper, deinen Geist und deine Seele als unzertrennliche Einheit – und genau so wird es gelehrt und praktiziert.

    Neben Qigong gibt es in der TCM noch vier weitere Säulen: die Akupunktur, die Phytotherapie, die Manualtherapie (Tuina) und die Ernährungslehre.


    Was ist Qigong?

    Um Qigong zu verstehen, werfen wir zuerst einen Blick auf die Übersetzung:

    • Qi steht für die Lebensenergie, die Lebenskraft, die durch alles Lebendige fließt.
    • Gong bedeutet regelmäßiges Üben, Kultivieren oder Arbeit.

    Qigong ist also das bewusste Üben und Kultivieren unserer Lebensenergie. Durch die Kombination aus sanften, fließenden Bewegungen, tiefer Bauchatmung und Visualisierung wird das Qi in den Meridianen (den Energiebahnen des Körpers) aktiviert und Blockaden aufgelöst.

    Der ganzheitliche Ansatz

    In der TCM dreht sich alles um das Gleichgewicht zwischen Yin und Yang. Um dieses Gleichgewicht herzustellen werden im Qigong drei Ebenen miteinander verbunden:

    1. Die körperliche Ebene

    Die Bewegungen im Qigong werden meist langsam und fließend ausgeführt, was den Körper sanft fordert, ohne ihn anzustrengen. Die Gelenke werden sanft mobilisiert, die Faszien gedehnt und die tiefe Muskulatur gestärkt. Gleichzeitig stärkt die tiefe Atmung die Lunge, aktiviert die inneren Organe sowie das Immunsystem.

    2. Die energetische Ebene

    Nach der TCM haben Beschwerden, Schmerzen und Krankheiten oft dieselbe Ursache: Blockaden in unserem Energiefluss. Wenn die Lebensenergie ins Stocken gerät, meldet sich der Körper. Qigong löst diese energetischen Stagnationen auf und sorgt dafür, dass dein Qi wieder frei und ungehindert fließen kann. Deine Organe arbeiten wieder Hand in Hand und finden zurück in ihre ursprüngliche Kraft.

    3. Die geistige Ebene

    „Where intention goes, Qi flows“ – wo die Aufmerksamkeit hingeht, dorthin fließt auch die Energie. Dieses alte Qigong-Sprichwort bringt es auf den Punkt. Wenn wir uns voll und ganz auf unseren Atem, den Fluss der Lebensenergie und die sanften Bewegungen einlassen, kommt das Gedankenkarussell im Kopf wie von selbst zur Ruhe. Qigong ist Meditation in Bewegung. Während du übst, baut dein Körper Stresshormone ab und dein vegetatives Nervensystem schaltet ganz automatisch in den tiefen Entspannungsmodus.

    Der TCM-Ansatz zusammengefasst: Qigong behandelt nicht die Krankheit, sondern aktiviert die Selbstheilungskräfte, löst Stagnation auf und stärkt somit die körperliche und mentale Gesundheit.


    Vom Denken ins Spüren: Ein kleiner Impuls für deinen Alltag

    Das Schöne am Qigong ist: Du brauchst keine Vorkenntnisse, kein besonderes Trainings-Outfit oder eine teure Ausrüstung. Es geht nicht um Perfektion oder Leistung, sondern um das bewusste Spüren.

    Eine kleine Übung für sofort:

    Stell dich hüftbreit und locker hin, die Knie sind entspannt und leicht gebeugt. Der Rücken ist gerade, Schultern sind locker.

    Lass deine Arme zuerst locker hängen. Handflächen zeigen zum Körper. Erde dich über die Fußsohlen. Atme bewusst drei Mal ein und aus.

    Nimm die Hände nun vor den Unterbauch; die Handflächen zeigen nach oben, die Fingerspitzen zeigen zueinander. Die Finger berühren sich nicht, sind ebenfalls entspannt.

    Atme sanft durch die Nase ein und hebe die Hände dabei vor dem Körper nach oben bis auf Brusthöhe. Dann drehst du die Handflächen nach unten.

    Atme lange aus. Die Hände sinken wieder bis zum Unterbauch.

    Handflächen wieder nach oben drehen, einatmen, Hände anheben bis zur Brust, Handflächen nach unten drehen, sinken lassen, ausatmen.

    Beim Ausatmen beugst du deine Knie ein wenig mehr, beim Einatmen richtest du dich wieder auf.

    Wiederhole das 5- bis 10-mal ganz im Rhythmus deines Atems. Stell dir dabei vor, wie du mit dem Einatmen frische Energie aufnimmst und mit dem Ausatmen Ballast, Anspannung, Sorgen in die Erde abgibst.

    Weitere Übungen findest du hier .

    Ganz viel Freude beim Üben und Entspannen!

    Yve




    Foto: Lerkrat Tangsri
    Quellen:

    Gunawan, Y. A. et al. (2025). Effect of Tai Chi and Qigong on Heart Rate Variability: A Systematic Review and Meta-Analysis. publiziert via PubMed / Frontiers in Physiology.

    Sun, J. et al. (2025). Differences in acute physiological response to a Qigong exercise among middle-aged adults.erschienen in: Frontiers in Physiology.

    Yeung, A. et al. Qigong and Tai-Chi for Mood Regulation. erschienen in: Focus – The Journal of Lifelong Learning in Psychiatry (American Psychiatric Association)

  • Die Heilkraft des Tanzens – und warum es glücklich macht

    Die Heilkraft des Tanzens – und warum es glücklich macht

    Wenn das Herz rast, die Gedanken kreisen und das Nervensystem im Alarmmodus ist, wählen wir oft den Weg in die Stille. Ich habe mich in der Vergangenheit in solchen Momenten oft an mein Meditationskissen oder an Atemübungen geklammert. Aber vielleicht kennst du das auch: Manchmal bewirkt diese Ruhe genau das Gegenteil. Wenn zu viel Stress und Anspannung im System steckt, fühlt sich das ruhige Sitzen erzwungen und falsch an – und wir enden noch überreizter, als wir ohnehin schon waren

    In den letzten Jahren habe ich durch meine Arbeit mit dem Körper gelernt, dass wir Stress nicht immer nur „wegatmen“ oder „wegmeditieren“ können. Manchmal müssen wir den Körper einfach bewegen.

    Eine Bewegungsform, die mich auf meinem eigenen Weg der Regulation immer wieder rettet, ist so simpel wie heilsam:  Das freie, intuitive Tanzen.

    Was passiert in uns, wenn wir erstarren?

    Ein chronisch dysreguliertes Nervensystem bedeutet, dass unser Körper permanent unter Strom steht und die Stresshormone Cortisol sowie Adrenalin ausschüttet. Das ist das uralte biologische Programm für Kampf oder Flucht (Fight-or-Flight). Heute kämpfen wir zwar nicht mehr gegen Säbelzahntiger, doch die Trigger unseres Alltags lösen exakt dieselbe körperliche Reaktion aus. Da wir die Flucht- oder Kampfenergie im Büro, in der U-Bahn oder am Küchentisch aber nicht physisch ausleben können, bleibt die Anspannung tief in unseren Muskeln und Faszien gefangen. Unser System findet keine Möglichkeit, sich zu entladen und reagiert mit Erstarrung.

    Damit wir diesen Teufelskreis durchbrechen können, braucht das Nervensystem eine klare Botschaft: Die Gefahr ist vorüber, du darfst dich entspannen

    Das sagt die Wissenschaft: Wie Bewegung die mentale und körperliche Gesundheit beeinflusst

    Dass Tanzen uns guttut, spüren wir intuitiv und schon nach wenigen Minuten. Umso faszinierender ist es zu sehen, dass die moderne Neurowissenschaft und Psychologie genau das bestätigen:

    Der Cortisol-Down-Effekt: Eine im Fachmagazin Frontiers in Human Neuroscience veröffentlichte Studie untersuchte die Auswirkungen von Tanztherapie auf das Stresslevel. Das Ergebnis ist beeindruckend: Regelmäßiges Tanzen senkt den Cortisolspiegel im Speichel nachweislich und messbar. Es bremst das Stresshormon aus.

    Neuroplastizität und Gehirngesundheit: Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen haben herausgefunden, dass Tanzen die Gehirnstruktur positiv verändert. Durch die Bewegung zur Musik werden neue neuronale Verknüpfungen gefördert. Dies zeigt sich vor allem im Hippocampus – dem Gehirnareal, das für Gedächtnis und Lernen verantwortlich ist und durch seine enge Vernetzung mit der Amygdala auch die Regulierung unserer Emotionen steuert.

    Warum Tanzen effektiver ist als reines Fitnesstraining:
    Studien im Journal of Physiological Anthropology zeigen, dass Bewegung, die mit Musik und Rhythmus verbunden ist, das mentale und körperliche Wohlbefinden spürbarer und nachhaltiger verbessert als ein reines, funktionales Ausdauertraining. Musik berührt uns emotional, weil sie einen direkten Draht zu unserem limbischen System im Gehirn hat. Das limbische System ist das Zentrum aller Emotionen.

    Vom Denken ins Spüren

    Das intuitive, freie Tanzen ist für mich zu einem festen Bestandteil meiner täglichen Selfcare-Routine geworden. Dabei geht es mir überhaupt nicht um Perfektion, Choreographien oder darum, „schön“ zu tanzen. Perfektion spielt wirklich überhaupt keine Rolle.

    Es geht um das, was man in der somatischen Arbeit „intuitives Bewegen“ nennt. Ich schließe dabei die Augen, um ganz im Hier und Jetzt, in meinem Körper anzukommen.. Ich erlaube meinem Körper sich für ein oder zwei Lieder einfach so zu bewegen, wie er möchte.

    Manchmal ist es ein wildes Abschütteln, um Anspannung und Stress loszuwerden. Meist sind es aber sanfte, rhythmische und fließende Bewegungen, die mein System wieder ins Gleichgewicht bringen und die meinen Körper wieder mit meinen Emotionen verbinden.

    Ein kleiner Impuls für dich

    Wenn du das nächste Mal bemerkst, dass dir alles zu viel wird, dass du im „Funktionieren-Modus“ feststeckst und dein Atem flach wird, die Muskulatur verkrampft oder Ängste hochkommen, möchte ich dich einladen, folgendes auszuprobieren:

    Schenke dir selbst eine Pause von nur fünf Minuten. Such dir ein oder zwei Lieder aus, die dich berühren und die dir ein gutes Gefühl geben. Schließe deine Augen, wenn du möchtest.. Lass deinen Körper entscheiden, wie er sich jetzt bewegen möchte.

    Erlaube dir unperfekt und frei zu sein. Gib für ein paar Minuten die Kontrolle ab und lass komplett los. Dein Nervensystem wird es dir danken.

    Tanzt du manchmal einfach so für dich alleine? Und welches Lied bringt dich sofort wieder zurück in deinen Körper? Schreib es mir gerne in die Kommentare.


    Foto: Vitaly Gariev

  • Wie Worte heilen: Was passiert im Körper, wenn wir mit ihm sprechen?

    Wie Worte heilen: Was passiert im Körper, wenn wir mit ihm sprechen?

    Wie sprichst du eigentlich mit deinem Körper, wenn er krank ist, müde ist, schmerzt oder nicht so „funktioniert“, wie du es gerne hättest? Bist du wütend auf ihn? Ignorierst du ihn? Oder sprichst du ganz bewusst, achtsam und freundlich mit ihm, so wie mit einer guten Freundin?

    Lange Zeit wurde es belächelt, mit einzelnen Organen oder dem Körper zu sprechen und in die rein esoterische Ecke geschoben. Doch die Psychoneuroimmunologie – die moderne Forschung darüber, wie Geist und Immunsystem zusammenhängen – hat bewiesen: Unser Körper hört jedes einzelne Wort, das wir über ihn denken und aussprechen. Er reagiert biochemisch darauf.

    Wie Gedanken uns beeinflussen

    Wenn wir also mit unserem Körper sprechen – ob laut oder in Gedanken, reagieren die Neuronen, die Nervenzellen, in unserem Gehirn. Die Neuronen sind verantwortlich für die Wahrnehmung und die Weiterleitung von Reizen und Erregung. Dabei unterscheidet unser Gehirn nicht, oder nur wenig zwischen einer echten Bedrohung von außen und einer Bedrohung durch einen inneren Dialog.

    Wer immerzu denkt: „Mein Körper ist krank, ich muss endlich wieder funktionieren“, signalisiert dem Gehirn Stress, Angst und Furcht. Unser Alarmzentrum, die Amygdala, wird aktiviert und unsere Nebennieren schütten Cortisol und Adrenalin aus. Der Körper schaltet in den Überlebensmodus.

    Sprechen wir dagegen beruhigend und wohlwollend mit unserem Körper, wird das parasympathische Nervensystem aktiviert – genauer gesagt der Vagusnerv. Das Nervensystem sendet unmittelbar Signale an das Herz, die Lunge und den Darm, die den Entspannungsmodus einleiten. Der Puls beruhigt sich, der Blutdruck sinkt, die Muskulatur entspannt sich.

    Was sagt die Wissenschaft?

    Die Wirkung von positiven Selbstgesprächen in Verbindung mit Achtsamkeit auf die körperliche Gesundheit sind durch etliche Studien belegt:

    1. Stressreduktion und Cortisolsenkung: Ein echter Meilenstein der Forschung ist die Studie von Creswell et al. (2005) im Journal Psychoneuroendocrinology. Sie zeigte, dass die bewusste Selbstbestärkung mit Affirmationen die neuroendokrine Stressreaktion des Körpers deutlich reduziert. Der Cortisolspiegel sinkt, wenn wir uns selbst und unserem Körper mit Mitgefühl und Achtsamkeit begegnen.
    2. Schmerzlinderung durch Mitgefühl: Studien zur Compassion-Focused Therapy nach Paul Gilbert haben gezeigt, dass ein liebevolles, wertschätzendes Selbstgespräch das sogenannte Kuschelhormon Oxytocin sowie Endorphine, die Glückshormone, freisetzen. Diese Hormone wirken wie ein natürliches Schmerzmittel und beruhigen das Nervensystem.
    3. Stärkung des Immunsystems: Die Psychoneuroimmunologie wie etwa die Studie von Kiecolt-Glaser et al. belegte, dass immer wiederkehrende Selbstzweifel und innerer Druck Entzündungsmarker im Blut ansteigen lassen. Ein mitfühlender Dialog mit dem Körper senkt die Entzündungsmarker und unterstützt das Immunsystem.

    Ein Impuls für deinen Alltag

    Dein Körper ist keine Maschine, die fehlerfrei funktionieren muss. Er ist ein lebendiger Organismus, der täglich unglaubliches leistet und der dich durch dieses Leben trägt.

    Wenn er dir das nächste Mal Symptome wie z.B. Schmerzen sendet, versuche es mit folgendem Satz:

    „Ich höre dich. Danke, dass du mir zeigst, was du jetzt brauchst. Ich nehme mir Zeit für dich und schenke dir eine Pause.“



    Alles Liebe für dich und deinen Körper!

    Yve





    • Creswell, J. D., et al. (2005): Affirmation of personal values buffers neuroendocrine and psychological stress responses. Psychoneuroendocrinology, 30(6), 556-563.
    • Gilbert, P. (2009): Introducing compassion-focused therapy. Advances in Psychiatric Treatment, 15(3), 199-208. (Über die Wirkung von Mitgefühl auf das parasympathische Nervensystem).
    • Kiecolt-Glaser, J. K., et al. (2002): Emotions, morbidity, and mortality: New perspectives from psychoneuroimmunology. Annual Review of Psychology, 53(1), 83-107.

  • Goldene Narben: Von der Schönheit des Unperfekten

    Goldene Narben: Von der Schönheit des Unperfekten

    Wir leben in einer Welt, die uns oft suggeriert, alles müsse makellos sein. Künstlich lächelnde Gesichter, perfekte Lebensläufe, ständige Leistungsfähigkeit. Doch wenn wir ehrlich sind, hinterlässt das Leben bei uns allen Spuren. Wir zerbrechen manchmal an Erfahrungen, wir bekommen Risse. Sie zu verstecken bedeutet, das Wertvollste an uns zu verbergen – unsere Resilienz und unsere einzigartige Geschichte.

    Kintsugi: Die goldene Verbindung

    In Japan gibt es eine jahrhundertealte Tradition namens Kintsugi, was übersetzt so viel wie „goldene Verbindung“ bedeutet. Wenn dort eine wertvolle Keramik zerbricht, wirft man die Scherben nicht einfach weg. Stattdessen werden sie in einem langsamen, achtsamen Prozess mit einem speziellen Naturlack wieder zusammengefügt.

    Im zweiten Schritt werden die Bruchstellen nicht einfach nur geklebt und kaschiert, sondern mit feinem Goldpuder hervorgehoben. Durch diese goldenen Linien wird das Gefäß nicht nur repariert – es verwandelt sich in ein einzigartiges Kunstwerk, dass es so noch nie gegeben hat. Die Brüche erzählen eine Geschichte und machen das Stück wertvoller als es im Originalzustand je war.

    Die Schönheit im Unvollkommenen

    Eng verbunden mit dieser Handwerkskunst ist die Philosophie des Wabi-Sabi. Hier geht es darum, die Schönheit in der Einfachheit und im Unperfekten zu finden. Es ist das Gegenteil von Perfektion und eine liebevolle Einladung zur Akzeptanz der Vergänglichkeit.

    Wenn wir genau hinschauen, zeigt uns die Natur ständig, wie inspirierend dieses „unperfekte“ Leben ist:

    • Der alte Baum: Denke an einen abgestorbenen, mit Moos bewachsenen Baumstamm im Wald. Er ist nicht mehr „perfekt“ oder produktiv im herkömmlichen Sinne. Doch gerade er dient unzähligen Lebewesen als Grundlage und bietet Schutz und Raum für neues Wachstum.
    • Das Herbstlaub: Blätter erstrahlen im Herbst in den schönsten Farben, bevor sie fallen. Als Laub schützen sie Tiere und Pflanzen vor der Winterkälte und werden im Frühling zu wertvollen Nährstoffen für den Boden.

    Was wir von den goldenen Linien lernen können

    Kintsugi und Wabi-Sabi lehren uns, dass aus vermeintlicher Unvollkommenheit etwas völlig Neues und Einzigartiges wachsen kann. Es geht um die Akzeptanz – die Akzeptanz, dass Dinge (und auch wir selbst) sich verändern, altern und auch mal zerbrechen dürfen.

    Vielleicht können wir unsere eigenen „Risse“ wie die goldenen Linien der japanischen Keramik betrachten. Sie sind kein Makel oder Fehler, den wir verstecken müssen. Sie sind der Beweis dafür, dass wir gelebt haben, dass wir widerstandsfähig sind und dass aus dem, was einmal zerbrochen war, etwas entstehen kann, das eine ganz eigene Kraft und Ausstrahlung besitzt.


    In meinem Buch ‚Mein schönes unperfektes Leben‘ nehme ich dich mit auf die Reise zur Schönheit im Unvollkommenen. Ich zeige dir, wie du deinen Alltag mit kleinen, achtsamen Ritualen und Übungen bereichern und noch ein Stück bewusster gestalten kannst.

    Alles Liebe,

    Yve

  • Heilströmen bei Ängsten

    Heilströmen bei Ängsten

    In Phasen, in denen dich Ängste oder innere Unruhe überwältigen, kannst du dich mit dem Halten deines Zeigefingers ganz einfach selbst unterstützen. Es ist eine kleine, unkomplizierte Übung mit großer Wirkung für dein emotionales Wohlbefinden.

    Im japanischen Heilströmen steht der Zeigefinger in direkter Verbindung zu Emotionen wie Angst, Unruhe und Unsicherheit.

    Anleitung

    Umschließe hierfür einfach deinen linken Zeigefinger locker mit der rechten Hand und verweile ohne Druck in dieser Position, bis du ein sanftes Pulsieren spürst oder merkst, wie dein Atem tiefer und ruhiger fließt. Ströme mehrere Minuten in Stille und wiederhole gerne mehrmals täglich.

    Diese einfache Übung signalisiert deinem Nervensystem Sicherheit, unterstützt das Loslassen von tiefsitzenden Spannungen und fördert ein Gefühl von tiefem Vertrauen und innerer Stabilität im Alltag.

    Möchtest du es gleich testen?

    Eine weitere Übung aus dem Heilströmen findest du hier.

    Herzliche Grüße,

    Yve

  • Was genau bedeutet Selfcare, und warum ist Selbstfürsorge so wichtig für dich?

    Was genau bedeutet Selfcare, und warum ist Selbstfürsorge so wichtig für dich?

    Weil du die Einzige bist, die wirklich weiß, wie es in dir drin aussieht.

    Wahrscheinlich hast du schon viel über Selbstfürsorge gehört – ob in Magazinen, sozialen Medien, Podcasts oder Büchern. Aber was steckt wirklich hinter dem Begriff „Selfcare“? Fragst du dich manchmal, wie du Selbstfürsorge im Alltag konkret umsetzen kannst?

    Die Ursprünge der Selbstfürsorge reichen weit zurück – bis in die Antike. Schon der griechische Philosoph Sokrates betrachtete die „kluge Selbstsorge“ als wesentlichen Teil eines gesunden Lebensstils. Selbstfürsorge bedeutet, bewusst Zeit für Pausen einzuplanen, achtsam mit dir selbst umzugehen und aktiv auf deine Bedürfnisse zu achten. Wie du diese Pausen gestaltest, liegt ganz bei dir – Hauptsache, du fühlst dich wohl und kannst einfach mal durchatmen. Wichtig ist, dass Selbstfürsorge und deine täglichen Auszeiten zu DIR passen und niemals zusätzlichen Druck oder Stress erzeugen. Wenn alle Welt von Yoga schwärmt, du dich auf der Matte aber nur unwohl fühlst – dann lass es. Es gibt kein ‚Richtig‘ oder ‚Falsch‘.

    Vielleicht ist es der Spaziergang im Wald, das Kuscheln mit deinem Hund oder einfach zehn Minuten in Ruhe lesen. Schau nicht darauf, was gerade Trend ist, sondern nur darauf, was dich wirklich wohlfühlen lässt.

    Klare Grenzen schützt dich vor Überlastung und innerem Stress. Deshalb: Höre gut auf deine Bedürfnisse. Kurze Momente des Innehaltens, wie eine kleine Atemübung, eine bewusste Teepause oder Tanzen zu deiner Lieblingsmusik, tragen wesentlich dazu bei, deinen Akku wieder aufzuladen und stärken langfristig deine psychische Widerstandskraft, deine Resilienz.

    Erlaube dir selbst, regelmäßig Pausen zu machen, und vergiss nicht: Selbstfürsorge ist kein Luxus, sondern die Voraussetzung, um langfristig gesund zu bleiben. Selbstfürsorge bedeutet nicht nur, sich kleine bewusste Pausen zu gönnen. Auch ausreichend Schlaf, Bewegung, achtsame Körperpflege, gesunde Ernährung, soziale Kontakte und das Annehmen von Hilfe, wenn du sie brauchst – all das gehört ebenfalls dazu.

    Tauche noch tiefer ein in die Welt der Selbstfürsorge.



    Der erste Schritt: Stelle dir selbst diese Fragen:

    •  Wie fühlt sich mein Körper gerade an?
    •  Bin ich verspannt?
    •  Fühle ich mich erschöpft?
    •  Atme ich tief und ruhig oder flach und schnell?
    •  Welche Signale sendet mein Körper?  Wie ist meine Körperhaltung? Aufrecht oder gebückt?
    •  Sind meine Schultern entspannt, oder ziehe ich sie bis zu den Ohren hoch?
    •  Presse ich die Zähne zusammen?
    •  Schmerzt mein Kiefergelenk, wenn ich den Mund öffne?
    •  Fühle ich mich chronisch müde?

      Hier geht’s zur Atemübung für zwischendurch.


    Ich freue mich über deinen Kommentar und deine Erfahrungen mit Selbstfürsorge im Alltag.

    Liebe Grüße,

    Yve Nicole


    Foto: www.kaboompics.com