Schlagwort: psychische Gesundheit

  • Die Kraft in dir: Wie Ressourcenaktivierung deine Resilienz stärkt und das Leben verändert

    Die Kraft in dir: Wie Ressourcenaktivierung deine Resilienz stärkt und das Leben verändert

    In herausfordernden Phasen unseres Lebens, richtet sich unsere Aufmerksamkeit fast automatisch auf das, was schief läuft. Doch was wäre, wenn der Schlüssel zur Lösung längst in dir liegt – du ihn nur gerade nicht findest?

    Hier kommt die Ressourcenarbeit zum Einsatz. Sie ist ein zentraler Baustein der Positiven Psychologie – ein wissenschaftlicher Bereich, der erforscht, was das menschliche Leben und Miteinander gelingen lässt – wie sich Vertrauen, Geborgenheit, Optimismus, Glück, Verzeihen und Solidarität auf die mentale Gesundheit des Menschen auswirken.

    Wie die Sozialpsychologin Ann Elisabeth Anhagen (Freie Universität Berlin) erklärt, knüpft die Positive Psychologie an die Humanistische Psychologie an. Ihr Ziel: Durch den Fokus auf die persönlichen Stärken, das Bedürfnis nach Glück, Ausgeglichenheit und seelische Gesundheit Wege aufzuzeigen, die das Erreichen von echtem Wohlbefinden erleichtern. Kurz gesagt: Wenn du dich selbst und deine Kraftquellen gut kennst, fühlst du dich automatisch wohler – auch in schwierigen Momenten.

    „Die Frage, wie Glück hergestellt wird, ist eine mindestens so wichtige Frage wie die, wie Unglück entsteht. […] Immer nur auf das zu schauen, was gescheitert ist, hilft nicht weiter […] sondern indem man möglichst viele neue positive und bedürfnisorientierte Erfahrungen macht.“

    — Klaus Grawe (1943–2005), Psychotherapieforscher


    Was sind Ressourcen überhaupt?

    Ressourcen sind deine persönlichen Kraftquellen. Sie stärken dein psychisches Immunsystem und erhöhen deine Resilienz, deine psychische Widerstandskraft. Dazu gehören oft ganz einfache Dinge im Alltag:

    • Bewegung und bewusste Wahrnehmung in der Natur
    • Musik, Kunst, Literatur und Kreativität
    • Schöne Erinnerungen
    • Tiere, Kochen, Tanzen, Humor und Lachen
    • Zeit mit Freunden und Familie

    In der ressourcenorientierten Begleitung gilt der Grundsatz: Jeder Mensch besitzt bereits die Fähigkeiten und die Stärke, die er zur Bewältigung seiner Herausforderungen braucht. Manchmal hat er sie nur vergessen oder noch nicht erkannt.

    Die Vielfalt deiner Kraftquellen

    In ihrem Buch „Coaching mit Ressourcenaktivierung“ unterscheiden Dr. Miriam Deubner-Böhme und Dr. Uta Deppe-Schmitz zwischen verschiedenen Ebenen:

    Ressourcen-KategorieBeispiele
    Interne RessourcenFähigkeiten, persönliche Eigenschaften, Interessen, Wissen, innere Haltungen
    Externe RessourcenSoziales Netz, Arbeitsumfeld, Infrastruktur, Natur, Kultur
    Körperliche & Psychische RessourcenGesundheit, Fitness, emotionale Stabilität, Achtsamkeit

    Wichtig zu wissen: Deine Ressourcen sind so individuell wie dein Fingerabdruck. Zwar gibt es Übereinstimmungen mit anderen (wie dem Wohnumfeld oder dem sozialen Status), aber dein Mix aus Kraftquellen gehört ganz allein dir. Zudem verändern sich Ressourcen mit dem Alter, der Lebenserfahrung oder der Gesundheit – hier ist die Flexibilität und die Anpassung an neue Lebensumstände wichtig.

    Vom Erkennen zum Tun: Wann ist eine Ressource wirklich aktiv?

    Schon der erste Blick auf die eigenen Kraftquellen ist ein wertvoller Schritt. Wissenschaftlich ist erwiesen, dass bereits das Nachdenken und Reflektieren über Ressourcen Akrivierungsprozesse auf neuronaler Ebene, in deinem Gehirn, in Gang setzt. Es erhöht dann die Wahrscheinlichkeit, dass du sie im Alltag tatsächlich auch nutzt um umsetzt.

    Wichtig: Solange eine Ressource nicht wirklich gelebt wird, profitierst du nicht in vollem Umfang von ihr.

    Ein einfaches Beispiel:

    Eva weiß, dass ihr ein Waldspaziergang guttut, um Abstand von Sorgen und Beschwerden zu gewinnen. Die Ressource existiert also bereits.

    Tatsächlich aktiviert ist sie aber erst in dem Moment, in dem Eva die Schuhe anzieht, in den Wald geht und vor Ort tiefe Entspannung und Glücksgefühle erlebt. Erst diese Aktivierung befriedigt ihre Grundbedürfnisse und löst die positiven Emotionen aus.

    Das klingt einfach, ist aber aus unterschiedlichsten Gründen – sei es wegen gesundheitlicher Einschränkungen oder aus Zeitmangel – nicht immer direkt machbar. Dann lohnt es sich, eine niederschwellige Alternative zu wählen, die sofort greifbar ist: wie etwa Lesen, Zeichnen, Musik hören, Meditation, Kochen oder Backen.


    Was bringt dir die Ressourcenaktivierung? (Wissenschaftliche Insights)

    Das bewusste Aktivieren deiner Kraftquellen verändert nachweislich deine psychische Gesundheit:

    1. Mehr Handlungsoptionen: Du wirst offener, kreativer und entwickelst eine höhere Veränderungsbereitschaft sowie bessere Problemlösefähigkeiten.
    2. Der positive Rückkoppelungsprozess: Klaus Grawe beschrieb, dass ressourcenorientierte Unterstützung von außen deinen Selbstwert stärkt. Das Gefühl, von anderen geschätzt zu werden, macht dich wiederum aufgeschlossener und zugewandter – deine sozialen Beziehungen festigen sich.
    3. Erfolg in der Therapie und Coaching: Die Coaching-Studien von Behrendt (2012, 2014) zeigen, dass sich ressourcenaktivierende Beratung direkt positiv auf den Gesamterfolg von Veränderungsprozessen auswirkt.

    Unabhängig von Studien bedeutet das für dich ganz persönlich: Durch das Integrieren deiner Ressourcen lebst du gestärkter, glücklicher, ausgeglichener, achtsamer, mutiger und dankbarer.

    Die Hürden im Alltag überwinden

    Warum fällt es uns eigentlich oft so schwer, uns auf das Gute zu besinnen? Häufig stehen uns alte Erziehungsmuster, in der Kindheit verinnerlichte Glaubenssätze oder die unbewusste Überzeugung im Weg, Selbstfürsorge sei reine Zeitverschwendung.

    Der Psychologieprofessor Mihaly Csikszentmihalyi beschreibt in seinem Buch „Lebe gut. Wie Sie das Beste aus Ihrem Leben machen können“ den ersten Schritt zur Besserung:

    • Achtsamkeit im Alltag: Achte genau darauf, was du täglich tust und welche Gefühle bestimmte Tätigkeiten, Orte, Tageszeiten oder Menschen in dir auslösen.
    • Das Eigene finden: Finde heraus, was sich für dich ganz besonders wohltuend und nährend anfühlt.
    • Gegenwärtige Freude spüren: Achte auf Gefühle wie Freude, Gelassenheit, Schwung und Vergnügen. Was lässt dein Herz vor Freude hüpfen?
    • Dankbarkeit praktizieren: Eine regelmäßige Dankbarkeitsroutine vergrößert die Wertschätzung für das Gute in deinem Leben.

    Alle Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen, sind ein Privileg, um unser Leben gesünder zu gestalten.

    Fazit: Jeder Tag ist ein neuer Anfang – Beginne noch heute!

    Ressourcenarbeit erinnert uns daran, liebevoll mit uns selbst umzugehen und die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen. Wenn wir lernen, unsere Stärken gezielt einzusetzen, steigt unsere Lebenszufriedenheit, während depressive Verstimmungen nachlassen. Ziel ist es, diese Kraftquellen so fest im Alltag zu verankern, dass wir selbst in Krisen den Blick auf das Positive nicht verlieren.

    „Ganz gleich, wie beschwerlich das Gestern war, stets kannst du im Heute von Neuem beginnen.“

    — Siddharta Gautama


    Impuls: Kennst du deine Ressourcen, deine Kraftquellen? Schreibe sie dir auf einen Zettel, um dich täglich daran zu erinnern, was dir wirklich guttut. Hänge ihn gut sichtbar an den Kühlschrank oder platziere ihn direkt auf deinem Schreibtisch.

    Alles Liebe, Yve



    Quellen und Leseempfehlungen:

    • Deutschlandfunk: Beiträge & Interviews mit Prof. Dr. Ann Elisabeth Anhagen
    • Klaus Grawe & Gerber: Psychotherapieforschung und Ressourcenaktivierung
    • Dr. Miriam Deubner-Böhme & Dr. Uta Deppe-Schmitz: Coaching mit Ressourcenaktivierung
    • Fredrickson, B. L. & Cohn / Joiner: Broaden-and-Build-Theorie der positiven Emotionen
    • David Burns: Kognitive Verhaltenstherapie & Selbstwert
    • Mihaly Csikszentmihalyi: Lebe gut. Wie Sie das Beste aus Ihrem Leben machen können
    • ZHAW: Psychologie im Alltag nutzen
    • Behrendt (2012, 2014): Coaching-Forschung zur Ressourcenaktivierung
  • Wie Worte heilen: Was passiert im Körper, wenn wir mit ihm sprechen?

    Wie Worte heilen: Was passiert im Körper, wenn wir mit ihm sprechen?

    Wie sprichst du eigentlich mit deinem Körper, wenn er krank ist, müde ist, schmerzt oder nicht so „funktioniert“, wie du es gerne hättest? Bist du wütend auf ihn? Ignorierst du ihn? Oder sprichst du ganz bewusst, achtsam und freundlich mit ihm, so wie mit einer guten Freundin?

    Lange Zeit wurde es belächelt, mit einzelnen Organen oder dem Körper zu sprechen und in die rein esoterische Ecke geschoben. Doch die Psychoneuroimmunologie – die moderne Forschung darüber, wie Geist und Immunsystem zusammenhängen – hat bewiesen: Unser Körper hört jedes einzelne Wort, das wir über ihn denken und aussprechen. Er reagiert biochemisch darauf.

    Wie Gedanken uns beeinflussen

    Wenn wir also mit unserem Körper sprechen – ob laut oder in Gedanken, reagieren die Neuronen, die Nervenzellen, in unserem Gehirn. Die Neuronen sind verantwortlich für die Wahrnehmung und die Weiterleitung von Reizen und Erregung. Dabei unterscheidet unser Gehirn nicht, oder nur wenig zwischen einer echten Bedrohung von außen und einer Bedrohung durch einen inneren Dialog.

    Wer immerzu denkt: „Mein Körper ist krank, ich muss endlich wieder funktionieren“, signalisiert dem Gehirn Stress, Angst und Furcht. Unser Alarmzentrum, die Amygdala, wird aktiviert und unsere Nebennieren schütten Cortisol und Adrenalin aus. Der Körper schaltet in den Überlebensmodus.

    Sprechen wir dagegen beruhigend und wohlwollend mit unserem Körper, wird das parasympathische Nervensystem aktiviert – genauer gesagt der Vagusnerv. Das Nervensystem sendet unmittelbar Signale an das Herz, die Lunge und den Darm, die den Entspannungsmodus einleiten. Der Puls beruhigt sich, der Blutdruck sinkt, die Muskulatur entspannt sich.

    Was sagt die Wissenschaft?

    Die Wirkung von positiven Selbstgesprächen in Verbindung mit Achtsamkeit auf die körperliche Gesundheit sind durch etliche Studien belegt:

    1. Stressreduktion und Cortisolsenkung: Ein echter Meilenstein der Forschung ist die Studie von Creswell et al. (2005) im Journal Psychoneuroendocrinology. Sie zeigte, dass die bewusste Selbstbestärkung mit Affirmationen die neuroendokrine Stressreaktion des Körpers deutlich reduziert. Der Cortisolspiegel sinkt, wenn wir uns selbst und unserem Körper mit Mitgefühl und Achtsamkeit begegnen.
    2. Schmerzlinderung durch Mitgefühl: Studien zur Compassion-Focused Therapy nach Paul Gilbert haben gezeigt, dass ein liebevolles, wertschätzendes Selbstgespräch das sogenannte Kuschelhormon Oxytocin sowie Endorphine, die Glückshormone, freisetzen. Diese Hormone wirken wie ein natürliches Schmerzmittel und beruhigen das Nervensystem.
    3. Stärkung des Immunsystems: Die Psychoneuroimmunologie wie etwa die Studie von Kiecolt-Glaser et al. belegte, dass immer wiederkehrende Selbstzweifel und innerer Druck Entzündungsmarker im Blut ansteigen lassen. Ein mitfühlender Dialog mit dem Körper senkt die Entzündungsmarker und unterstützt das Immunsystem.

    Ein Impuls für deinen Alltag

    Dein Körper ist keine Maschine, die fehlerfrei funktionieren muss. Er ist ein lebendiger Organismus, der täglich unglaubliches leistet und der dich durch dieses Leben trägt.

    Wenn er dir das nächste Mal Symptome wie z.B. Schmerzen sendet, versuche es mit folgendem Satz:

    „Ich höre dich. Danke, dass du mir zeigst, was du jetzt brauchst. Ich nehme mir Zeit für dich und schenke dir eine Pause.“



    Alles Liebe für dich und deinen Körper!

    Yve





    • Creswell, J. D., et al. (2005): Affirmation of personal values buffers neuroendocrine and psychological stress responses. Psychoneuroendocrinology, 30(6), 556-563.
    • Gilbert, P. (2009): Introducing compassion-focused therapy. Advances in Psychiatric Treatment, 15(3), 199-208. (Über die Wirkung von Mitgefühl auf das parasympathische Nervensystem).
    • Kiecolt-Glaser, J. K., et al. (2002): Emotions, morbidity, and mortality: New perspectives from psychoneuroimmunology. Annual Review of Psychology, 53(1), 83-107.